Adveniat zum Papstschreiben: Franziskus will eine offene Kirche

Das deutsche Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat wertet das Papstschreiben zur Amazonas-Synode als Signal für eine „neue, offene, menschliche Weltkirche“. Hauptgeschäftsführer Michael Heinz sagte am Mittwoch in Essen: „Franziskus hat den Weg freigemacht, überkommene klerikale und zentralistische Strukturen zu überwinden. Er will eine Kirche des unerschrockenen, offenen Dialogs: mit den Menschen, mit den Kulturen, mit den Religionen, mit der Welt.“ Zugleich räumte Heinz ein, dass er bei der Frage nach den Zugangsvoraussetzungen zum Priesteramt und in Bezug auf die Rolle der Frauen in der Kirche deutlichere Worte des Papstes erwartet hätte.

Papst Franziskus und Pater Michael Heinz, Hauptgeschäftsführer des Bischöfliche Aktion Adveniat e.V. Übergabe des Tuchs mit dem Bild von Freddy Sánchez (Jaguarmann). ( Foto: Adveniat/APSA-Servizio Fotografico)

Die Amazonas-Synode habe im Schlussdokument gefordert, „Kriterien und Ausführungsbestimmungen“ festzulegen, „nach denen geeignete und in der Gemeinde anerkannte Männer zu Priestern geweiht werden können“, die verheiratet sind und bereits als ständige Diakone wirken. Papst Franziskus spreche nun von „mit entsprechenden Vollmachten ausgestatteten Laien-Gemeindeleitern“ und davon, dass „die ständigen Diakone, die Ordensfrauen und die Laien selbst wichtige Verantwortung für das Wachstum der Gemeinschaften übernehmen“.

Damit sei weiteren Entwicklungen kein Riegel vorgeschoben, betonte Heinz. „Wir sollten den Aufruf zum Dialog von Papst Franziskus ernst nehmen, wenn er schreibt: ‚Lasst uns furchtlos sein, stutzen wir dem Heiligen Geist nicht die Flügel‘.“ Papst Franziskus hatte zuvor in seinem Schreiben „Querida Amazonia“ („Geliebtes Amazonien“) seine Schlussfolgerungen aus der Amazonas-Synode vorgelegt, die vom 6. bis 27. Oktober im Vatikan tagte. Bei dem Bischofstreffen ging es unter anderem um ökologische und soziale Folgen des Raubbaus in der ressourcenreichen Region, die Stärkung der indigenen Bevölkerung und um neue Wege in der Seelsorge.

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn sieht im Papstschreiben zur Seelsorge im Amazonasgebiet eine Ermutigung für die Kirche. Es sei ein „grundsätzliches Ja des Papstes zu den Ergebnissen der Amazonas-Synode, ohne gleich diese Ergebnisse in konkrete Maßnahmen umzusetzen“, sagte Schönborn am Mittwoch der Presseagentur Kathpress. Diese Beschlüsse könnten weiter reifen; geöffnete Türen seien nicht wieder geschlossen worden. Schönborn hatte im Oktober selbst an der Sondersynode im Vatikan teilgenommen.

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