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Coronavirus: Pilgern in Zeiten von Quarantäne und Einreisesperren

Heiliges Land unter strikten Vorkehrungen zur Corona-Eindämmung

Mit immer strikteren Maßnahmen wollen Israel und die Palästinenser einer Verbreitung des Corona-Virus Einhalt gebieten. Inzwischen sind die Auswirkungen auch in den heiligen Stätten zu spüren.

Lange Schlangen vor den Passkontrollen für Nicht-Iraelis am Flughafen Ben Gurion. Tausende Besucher, die sich durch die Jerusalemer Altstadt schieben. Hunderte Pilger, die geduldig vor der Grabkappelle in der Grabeskirche oder der Grotte der Geburtskirche anstehen: Das war gestern. Gut einen Monat vor den höchsten jüdischen und christlichen Feiertagen Pessach und Ostern hinterlässt „COVID-19“ zunehmend deutliche Spuren im Heiligen Land.

Restriktiver Maßnahmenkurs

Wie kaum ein anderes Land fährt Israel einen restriktiven Maßnahmenkurs gegen die Ausbreitung des neuen Virus. Bislang 13 Länder stehen auf seiner Schwarzen Liste. Ihren Bürgern ist die Einreise nach Israel untersagt. Für Israelis, die von dort zurückreisen, gilt eine zweiwöchige Quarantänepflicht. Schätzungsweise 70.000 Israelis stehen inzwischen unter Hausarrest.

Betroffen ist auch ein Teil der katholischen Führungsriege des Landes. Patriarchatsleiter Pierbattista Pizzaballa, Kustos Francesco Patton und der maronitische Erzbischof von Haifa und dem Heiligen Land, Moussa El-Hage nahmen am Treffen katholischer Bischöfe des Mittelmeerraums in Bari teil, während der lateinische Patriarchalvikar in Jerusalem, Bischof Giacinto-Boulos Marcuzzo, von einem Treffen der Konferenz der lateinischen Bischöfe der arabischen Länder (CELRA) in Rom zurückkehrte.

Seit ein paar Tagen bleiben die Leute aus.

Mit Deutschland und Italien stehen auch zwei Länder auf der Liste, die traditionell viele Pilger ins Heilige Land stellen. „Eigentlich müsste es um diese Zeit hier voll von Leuten sein“, sagt der Ordnungshüter der Franziskanerkustodie, Jeries Majlaton. Seine ausladende Geste weist auf den beinahe verwaisten Vorplatz der Grabeskirche. Seit ein paar Tagen, so Majlaton, bleiben die Leute aus.

„Wer noch im Land ist, bleibt“, sagt Franziskanerpater Matyas Tarsoly. Wer aber kurz vor der Anreise stehe oder buchen wolle, denke „eher zweimal“ nach. Täglich kommen neue Einschränkungen hinzu. Planbar sei in dieser Situation nichts. Was in diesen Zeiten mit den Osterfeiern passiert, die traditionell Tausende Pilger aus aller Welt nach Jerusalem ziehen? „Gute Frage“, sagt Pater Matyas. Eine Antwort hat der ungarische Franziskaner, der auf eine baldige Normalisierung hofft, nicht. Noch gilt ein Verbot von Großveranstaltungen, unter die Ostern im Heiligen Land sicher zu zählen ist. Mehrere Paraden zum jüdischen Purimfest am kommenden Montag wurden bereits abgesagt.

30-tägiger Ausnahmezustand für die palästinensischen Gebiete.

Leere Straßen, geschlossene Geschäfte, die trostlose Atmosphäre noch unterstrichen durch einen heftigen Winterregen. So präsentierte sich die Altstadt von Bethlehem am Freitag auf Bildern in Sozialen Netzwerken. Wie es tatsächlich gegenwärtig um die Geburtsstadt Jesu bestellt ist, darüber können sich gegenwärtig die wenigsten ein eigenes Bild machen: Als am Donnerstag sieben Angestellte eines Hotels in Beit Dschallah positiv auf „COVID-19“ getestet wurden, verhängte Präsident Mahmud Abbas einen 30-tägigen Ausnahmezustand für die palästinensischen Gebiete.

Bethlehem, Jericho und das Jordantal wurden in israelisch-palästinensischer Kooperation abgeriegelt. Auch deutsche Besucher waren von der Anordnung betroffen und hatten teils erhebliche Schwierigkeiten, über die Kontrollpunkte zurück nach Israel zu gelangen. An jenen Pilgern, die momentan durch Jerusalem ziehen, scheint die Aufregung um das Virus aus China ohne großes Aufheben vorbeizugehen. „Ich habe feuchte Tücher dabei und stelle sicher, dass ich mich bei Rückkehr ins Hotel gründlich wasche“, sagt Pilgerin Gretchen aus Washington. Ängstlich sei sie angesichts der Nachrichten nicht, „würde auch nichts an meinen Plänen ändern“.

Kaum Wartezeiten

Panik könne er keine ausmachen, sagt auch der Rektor des ökumenischen Studienzentrums Tantur, Russell McDougall, der eine Gruppe von Amerikanern durch die Grabeskirche führt. Das Ausmaß der Auswirkungen, so der US-amerikanische Priester der Kongregation vom Heiligen Kreuz, werde erst später voll zu erfassen sein. Ein Positives können die Pilger der gegenwärtigen Situation durchaus abgewinnen: Wartezeiten und Gedränge an den in den letzten Jahren durch Besucherrekorde geprägten Heiligen Stätten sind derzeit eher die Ausnahme.

Von Andrea Krogmann (KNA)

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