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Osterappell aus Jerusalem für „neue Menschheit“

In Jerusalem hat Erzbischof Pierbattista Pizzaballa zu einem neuen Blick auf die bürgerliche und kirchliche Gemeinschaft aufgerufen. „‚Niemand kann sich selbst retten‘ ist nicht nur der Refrain dieser Tage, sondern die Wahrheit der Existenz“, sagte der Leiter des Lateinischen Patriarchats laut Manuskript in seiner Osternachtspredigt. Die Feier in der Grabeskirche fand in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie in kleinstem Kreis statt.

(Symbolfoto: Tom Tihanyi/Pixabay)

Die Osternacht wird in der Grabeskirche jeweils schon am frühen Samstagmorgen gefeiert. Das geht zurück auf den sogenannten Status quo; in diesem Regelwerk aus dem 19. Jahrhundert ist der Gebetsplan der an der Kirche ansässigen sechs christlichen Konfessionen festgeschrieben. Es dürfte sich deshalb jedes Jahr um die erste Ostermesse weltweit handeln.

Gefühl der Leere entfliehen

Pizzaballa rief dazu auf, nicht allzu schnell dem Gefühl der Leere und des Vakuums dieser Heiligen Woche unter dem Eindruck des Coronavirus zu entfliehen. „So seltsam es auch scheinen mag: Die Erfahrung, die wir in diesen Tagen machen, kommt der Ostererfahrung und dem so ehrwürdigen und immer mächtigen Zeichen des Heiligen Grabes Christi am nächsten“, so der Italiener in seiner Predigt.

Die Pandemie habe Gewohnheiten und Sicherheiten genommen, „uns mit Angst, Verwirrung und Fassungslosigkeit erfüllt und uns das Gefühl der Verlorenheit gegeben“. Dies sei sehr nah an dem Gefühl des Schmerzes und der Stille, den die Menschen um Jesus am ersten Ostern durchgemacht haben.

Wahre Osterfreude werde geboren

„Gebildet durch Karfreitag und Karsamstag, sollten wir Christen in der Lage sein, dem Tod, dem Grab, der Stille Gottes und der Menschen ins Auge zu sehen“, so Pizzaballa. Die wahre Osterfreude werde gerade aus dieser neuen Fähigkeit geboren, „die Leere zu betrachten, mit dem Schmerz zu sprechen, die Zeichen des Todes zu sehen und zu glauben“.

Ausgehend von diesem österlichen Blick rief der Erzbischof dazu auf, eine neue Vision für die Welt zu wagen. „Eine neue Menschheit wird möglich sein, wenn eine neue Gemeinschaft deren Brust und die Schule ist“, sagte Pizzaballa. Keine Virtualität und kein Soziales Netzwerk könne das Gesicht eines Bruders ersetzen.

Es brauche Mut, eine Vision und Perspektiven

Angesichts der durch die Pandemie verursachten menschlichen, sozialen und wirtschaftlichen Krise brauche es Mut, eine Vision und Perspektiven, „sonst wird die Muskelleistung allein schnell müde“.

Pizzaballa war am Samstagmorgen bei starkem Regen und ungewöhnlich kühlen Temperaturen mit drei weiteren Geistlichen in die Grabeskirche eingezogen, um mit wenigen in dem Gotteshaus lebenden Ordensleuten die Ostervigil zu feiern. Die Feier wurde im Internet live übertragen.

kna
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