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Ramelow will Gottesdienste unter Auflagen wieder ermöglichen

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) will Gottesdienste und öffentliche Demonstrationen wieder zulassen. Religions- und Meinungsfreiheit seien ihm gleichermaßen wichtig, sagte er am Freitag bei Zeit Online. „Das stille Kämmerlein reicht dafür nicht aus. Beides bedarf der sichtbaren Manifestation.“

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Foto: Thüringer Staatskanzlei (TSK))

Die Kirchengemeinden müssten für ihre Gottesdienste die Zahl der Menschen im Verhältnis zur Fläche und den Sitzplätzen begrenzen, sagte Ramelow. In vielen Regionen seien die Kirchen groß genug dafür. Zudem sei es notwendig, zu differenzieren, welche religiösen Riten mit dem Infektionsschutz vereinbar seien und welche nicht: „Das gemeinschaftliche Gebet braucht keine persönliche Berührung, ist also unproblematisch.“

Am Donnerstagabend hatte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) erklärt, die Landesregierung wolle gemeinsam mit den Glaubensgemeinschaften in NRW „einen Weg aufzeigen, unter welchen Bedingungen öffentliche Gottesdienste in Zukunft wieder möglich sein können“. In den kommenden Tagen solle darüber beraten werden. „Dieser Weg könnte Vorbild für ganz Deutschland werden“, sagte Laschet.

Regierung trifft Religionsvertreter zu Corona-Krise

Vertreter des Bundesinnenministeriums treffen sich am heutigen Freitag mit Religionsvertretern zum Austausch über Beschränkungen in der Corona-Krise. Staatssekretär Markus Kerber hat dazu Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche, des Zentralrats der Juden, der orthodoxen Kirche sowie des Koordinierungsrats der Muslime eingeladen.

Derzeit sind wegen der Corona-Krise keine öffentlichen Gottesdienste möglichDerzeit sind wegen der Corona-Krise keine öffentlichen Gottesdienste möglich. Vor allem die katholische Kirche drängt auf Lockerungen. Sie kündigte an, konkrete Vorschläge vorzulegen, wie Gottesdienste unter Einhaltung der Abstandsregeln und der Hygienestandards möglich sein könnten.

Bundesregierung würdigt Einsatz von Muslimen gegen Corona

Die Bundesregierung hat das Engagement muslimischer Gemeinden gegen die Corona-Pandemie gewürdigt. Sie stünden durch die Einschränkung des religiösen Lebens vor großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, sagte Staatssekretär Markus Kerber den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag). „Daher bin ich dankbar dafür, wie verständnisvoll auch die Repräsentanten der Muslime in Deutschland die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus umsetzen, zumal auch der islamische Fastenmonat Ramadan in diesem Jahr im Schatten der Corona-Pandemie stehen wird.“

Die Muslime zeigten „ein hohes Maß an Verantwortungsgefühl und Solidarität für unsere Gesellschaft“, betonte Kerber. „Damit wird der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft erneuert und gestärkt.“

Zentralrat der Muslime: Zeigen religiöse und bürgerliche Verantwortung

Der Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Milli Görus, Bekir Altas, nannte es am Donnerstag „nicht nachvollziehbar, wenn Moscheen, Kirchen oder Synagogen geschlossen bleiben müssen, das Shoppen in der Stadt aber erlaubt sein soll“. Religionsgemeinschaften solle so weit vertraut werden, dass auch ihnen unter Auflagen die schrittweise Öffnung erlaubt werde.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, zeigte sich zurückhaltender. „So schwer es uns fällt, unsere Moscheen im Heiligen Monat Ramadan weiter geschlossen zu halten, so ist es unsere religiöse und bürgerliche Verantwortung, in der aktuellen Phase genau das zu tun“, sagte Mazyek auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Papst warnt vor Folgen von Gottesdienst-Verboten

Papst Franziskus vor einer Virtualisierung der Religion in der Corona-Krise gewarnt. In medialen Gottesdiensten seien die Menschen „zusammen und doch nicht zusammen“, sagte das Kirchenoberhaupt am Freitag im Vatikan. Zur Kirche gehörten die Gemeinschaft und die Sakramente. Wörtlich sprach Franziskus von einer „Gefahr“, wenn religiöse Kommunikation nur über Medien stattfinde.

Im Zuge der Maßnahmen gegen eine Ausbreitung der Corona-Pandemie sind auch Gottesdienste mit Beteiligung von Gläubigen verboten. In einzelnen Ländern wird jetzt über eine schrittweise Aufhebung der Beschränkungen diskutiert. Papst Franziskus äußerte sich bei seiner täglichen Messe in der Kapelle seiner Residenz Santa Marta. Die Feier wurde als Livestream im Internet übertragen.

Franziskus sagte, eine Gottesbeziehung ohne Kirche, ohne Gemeinschaft der Glaubenden und ohne Sakramente sei „gefährlich“. Auf diese Weise könne sie sich vom Gottesvolk abkoppeln und „gnostisch“ werden, also zu einem privaten Heilsweg. Zu einer vertrauten Beziehung zu Christus gehöre auch immer die Tischgemeinschaft. Franziskus bezeichnete es als eine schwierige Situation, wenn katholische Gläubige nur eine „geistige Kommunion“ empfangen könnten. „Das ist nicht die Kirche“, sagte der Papst.

 

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