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Benediktiner-Abt Laurentius Schlieker zieht nach Werden

Nach rund 200 Jahren lebt zumindest zeitweise wieder einen Benediktinerabt in Essen-Werden: Laurentius Schlieker OSB (68) hat am Sonntag seine Oberen-Zeit in der Benediktinerabtei Gerleve in Billerbeck seine Oberen-Zeit im Kloster beendet. Er hatte die Abtei seit 2009 geleitet und im Dezember vorigen Jahres angekündigt, sein Amt am 19. April aus gesundheitlichen Gründen niederzulegen.

Laurentius Schlieker (Foto: Abtei Gerleve)

Die Statuten der Ordenskongregation sehen vor, dass ein scheidender Abt für ein halbes Jahr sein Kloster verlässt, um dem Convent die Möglichkeit zu geben, sich neu zu sammeln und einen neuen Abt zu wählen. Diese Zeit wird Abt Laurentius in Absprache mit Bischof Overbeck die Gastfreundschaft im Bistum Essen genießen und von Mitte April bis Ende Oktober in der Propsteipfarrei St. Ludgerus wohnen. „Nach rund 200 Jahren zumindest zeitweise wieder einen Benediktinerabt in Werden zu wissen, ist sicher ein schönes Zeichen der Verbundenheit mit der Geschichte der Abtei und der Basilika“, erklärte Propst Jürgen Schmidt.

Abt Laurentius habe angeboten, nach Aufhebung der Corona bedingten Einschränkungen auch liturgische Dienste in der Gemeinde zu übernehmen. „Dafür sind wir ihm sehr dankbar und heißen ihn in Werden herzlich willkommen“, so Schmidt. Anschließend wird er nach Gerleve zurückkehren, um dort wieder als Seelsorger und Organist tätig zu sein

Abt Laurentius Schlieker stammt aus Castrop-Rauxel. Nach dem Abitur trat er in Gerleve ein. Auf das Theologiestudium in Rom folgte eine Ausbildung zum Kirchenmusiker in Aachen. In der Gerlever Jugendbildungsstätte begleitete er viele Jugendgruppen und Schulklassen. Viele Menschen aller Altersgruppen stand er als Seelsorger zur Seite. Im In- und Ausland gab er Orgelkonzerte.

2006 wählten wir ihn für drei Jahre zum Prior-Administrator, 2009 zu unserem Abt. Als Leiter der Abtei setzte er sich für die Jugendarbeit ein und konnte Ende 2015 den Neubau der Jugendbildungsstätte einweihen. Die in Gerleve traditionell engen Beziehungen zum Bistum Münster konnte er noch intensivieren.

Den Nachfolger von Abt Laurentius werden wir Mönche von Gerleve in geheimer Wahl bestimmen. Wann die ursprünglich für Mai geplante Wahl nun stattfinden kann, ist allerdings wegen der jetzt noch nötigen Schutzmaßnahmen im Zusammenhang der  Corona-Krise unklar. Zur Wahl müssten auch Brüder ins Kloster kommen, die dauerhaft außerhalb der Abtei leben, sagte Sprecher Pater Marcel Albert am Montag dem Portal kirche-und-leben.de. Zudem müssten zwei Wahlleiter, eine Benediktinerin und ein Benediktiner aus anderen Klöstern, anreisen. „Daran ist zurzeit nicht zu denken“, betonte Albert und verwies auf den derzeitigen Verzicht auf Außenkontakt.

Übergangsweise leite die Abtei Gerleve in Billerbeck Prior Robert Mittweg, der Stellvertreter des bisherigen Abtes Laurentius Schlieker. Zur Benediktinerabtei Gerleve gehören derzeit 37 Mönche. Deren Geschichte reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Nach einer bäuerlichen Stiftung gründeten Benediktiner der Erzabtei Beuron am 19. September 1899 eine klösterliche Gemeinschaft in Gerleve. 1904 erfolgte die Erhebung zur selbstständigen Abtei. Im Zuge des nationalsozialistischen „Klostersturms“ mussten die Mönche Gerleve 1941 verlassen. 1946 kehrten sie zurück. Schlieker war der fünfte Abt von Gerleve.

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