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Kontroverse um Lockerung bei Gottesdiensten – Gespräch mit Regierung

Die Bundesregierung will voraussichtlich in dieser Woche erneut mit Vertretern von Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften über mögliche Lockerungen für Gottesdienste sprechen. Grundlage sollen dabei von den Religionsgemeinschaften gemachte Vorschläge für die Einhaltung von Hygieneregeln sein, wie ein Sprecher des Innenministeriums am Montag in Berlin erklärte. Ziel sei eine möglichst einheitliche Regelung für alle Religionsgemeinschaften.

(Foto: Judith Lorenz)

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte in einer Regierungserklärung im Bayerischen Landtag, das er ab 3. Mai öffentliche Gottesdienste im Freistaat unter Auflagen für möglich halte. Dazu gehörten Zugangsbegrenzungen in den Kirchen und Hygienekonzepte. Die Kirchen arbeiteten selbst schon intensiv daran. „Wir sind da in einem sehr, sehr guten Gespräch“, so Söder. Letzteres gelte auch für andere Glaubensgemeinschaften.

Lockerung nach dem 3o. April

Am Freitag hatte es im Bundesinnenministerium bereits ein Treffen mit Vertretern beider großer Kirchen, der orthodoxen Bischofskonferenz, von Muslimen und des Zentralrats der Juden zu diesem Thema gegeben. Dabei wurde eine Lockerung „zeitnah“ nach dem 30. April in Aussicht gestellt. An diesem Tag wollen Bund und Länder das nächste Mal über weitere Öffnungsschritte in der Corona-Pandemie beraten.

Katholiken und Protestanten hatten die in Aussicht gestellte schrittweise Öffnung begrüßt. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, erklärte, die Religionsgemeinschaften würden nun kurzfristig Vorschläge unterbreiten.

Bischof Feige sieht Debatte über Lockerungen kritisch

Der katholische Magdeburger Bischof Gerhard Feige sieht die Debatte um eine Lockerung hingegen kritisch. „Wenn seitens der Kirchen nunmehr der Druck auf den Staat erhöht wird, dass baldmöglichst wieder Gottesdienste nicht nur per Radio, Fernsehen und Livestream mitgefeiert werden können, frage ich mich natürlich, ob das in der den aktuellen gesetzlichen Vorschriften anzupassenden Form tatsächlich den Glauben fördert oder eher zum Krampf wird“, schreibt Feige in einem Gastbeitrag für das Internetportal katholisch.de.

„Ich kann mir bis jetzt jedenfalls kaum vorstellen, wie Gottesdienste mit Zugangsbegrenzung, Anwesenheitsliste, Abstandswahrung, Mundschutz, Handschuhen, einem Desinfektionsritus vor der Gabenbereitung und der Austeilung der Kommunion mittels einer – noch zu erfindenden – liturgischen Zange gottgefällig und heilsdienlich sein sollen“, so der Bischof. Ihn irritiere zunehmend der Unmut, den manche Gläubige und kirchliche Verantwortungsträger „inzwischen wehleidig oder kämpferisch“ zum Ausdruck brächten.

Verantwortungsbewusst sein

„Sollten wir als Christen nicht eher verantwortungsbewusst und solidarisch mit dafür Sorge tragen, die lebensbedrohliche Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus einzudämmen und eine medizinische Überforderung unserer Gesellschaft zu verhindern, als ähnlich wie verschiedene Lobbyisten versuchen, unsere Partikularinteressen durchzusetzen?“, so Feige.

Sachsen erlaubt als erstes Bundesland seit Montag bereits wieder Gottesdienste, allerdings nur im kleinen Rahmen mit bis zu 15 Teilnehmern.

Von Rainer Nolte (KNA)
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