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Bischof Jung: Differenzen in der Kirche ehrlich benennen

Der Würzburger Bischof Franz Jung hat dazu aufgerufen, in Ehrlichkeit auch die Differenzen in der Kirche zu benennen. Man dürfe nicht einfach sagen, „wir sind ja doch irgendwie alle eins“, sondern es gelte zu formulieren, was die Position und die Gegenposition sei, sagte Jung am Montag beim Gedenken an dem vor einem Jahr gestorbenen früheren Würzburger Bischof Paul-Werner Scheele. Dazu hätte dieser sicher geraten, so Jung. Denn damit starte jede wirkliche Auseinandersetzung, in der jeder seine Ansichten vertrete, ohne verdeckt zu spielen oder heuchlerisch zu handeln. Man solle in aller Offenheit die eigene Meinung dem Anderen zumuten.

Bischof Franz Jung (Foto: Pressestelle Bistum Speyer)

Scheele hätte aber beim Ringen um Einheit in der katholischen Kirche sicher auch dazu geraten, sich auf die gemeinsamen Grundlagen des Glaubens zu besinnen, so Jung weiter. Dies seien Glaube, Hoffnung, Liebe und die anderen Gaben des Heiligen Geistes. Dieses gemeinsame Erbe müsse gemeinsam tiefer betrachtet werden. Daraus ergebe sich die Frage, „wie wir die Traditionen so weiterentwickeln können, dass es kein Traditionalismus wird, sondern eine lebendige Tradition, die atmet und lebt, und in die Weite hinaustreibt“.

In den Unterschieden das Verbindende suchen

Wichtig ist laut dem Würzburger Bischof eine Gemeinschaft nach dem „Urbild des dreifaltigen Gottes, Einheit und Verschiedenheit, die trotzdem, gerade auch durch die Verschiedenheit, immer pulsiert und lebt und die Fülle des Lebens abbildet“. Das zeigten auch die unterschiedlichen Meinungen in der Kirche. „Dann kann es natürlich verschiedene Auffassungen geben, zum Priesterbild, zur Frage nach der Stellung der Frau in der Kirche, zur Frage nach dem, wie ist Sexualität heute zu verstehen und neu zu interpretieren, um trotzdem in diesen ganzen Unterschieden immer wieder neu nach dem Verbindenden zu suchen, nach dem, was versöhnt, und nicht nach dem, was trennt.“

Scheele war am 10. Mai 2019 im Alter von 91 Jahren gestorben. Er stand von 1979 bis 2003 an der Spitze des Bistums Würzburg. Seit 1976 bis zu seinem Ruhestand war er auch Vorsitzender der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz. Von 1984 bis 2008 gehörte der Westfale dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen an. Das Jahresgedenken an seinen Todestag konnte aufgrund der Corona-Pandemie nicht im Mai stattfinden und fand nun am Hochfest „Peter und Paul“ statt.

kna
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