Rörig: EKD muss mehr für Aufarbeitung von Missbrauch tun

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat mit Blick auf eine strukturelle Aufarbeitung von Kindesmissbrauch ein entschlosseneres Handeln von der evangelischen Kirche gefordert. „Die evangelische Kirche hat vielleicht eine zeitlang gedacht, dass sie verzichten kann auf einheitliche Standards und Kriterien bei der Aufarbeitung, vielleicht auch verzichten kann auf fest formulierte Strukturen“, sagte Rörig im Deutschlandfunk. Er könne nicht ausschließen, „dass einige Landeskirchen bis heute die Hoffnung haben oder hatten, dass sie um eine unabhängige Aufarbeitung von Missbrauch in ihrem Bereich herumkommen“.

Johannes-Wilhelm Rörig (Foto: Christine Fenzl / www.christinefenzl.com)

Rörig hatte im Juni eine entsprechende Vereinbarung zu einer unabhängigen Aufarbeitung von Missbrauch mit der Deutschen Bischofskonferenz unterzeichnet. Die katholische Kirche sei in Bezug auf die unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch tatsächlich in einer Vorreiterrolle, so Rörig. Bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) steht eine solche Erklärung noch aus. In der vergangenen Woche hatte es dazu einen „letter of intent“, eine Absichtserklärung, gegeben.

Entwicklung von Aufarbeitungsstandards bis zum Herbst

Der Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche, Martin Dutzmann, erklärte dazu, dass in dem Brief in Aussicht gestellt werde, dass es für alle Landeskirchen eine oder mehrere unabhängige Aufarbeitungskommissionen geben werde. Diese sollten sowohl Melde- und Anlaufstellen als auch Beschwerdestellen sein, sagte Dutzmann dem Deutschlandfunk. Damit solle auch die quantitative Dimension sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche erfasst werden, damit man regionale oder auch systemische Schwerpunkte erkennen könne. Er stellte die Entwicklung von Aufarbeitungsstandards bis zum Herbst in Aussicht.

kna
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