Theologe: Weniger Politiker an Kirche interessiert

Die Zahl der Politikerinnen und Politiker, die für Themen der Kirche ansprechbar sind, ist nach Einschätzung des Münchner evangelischen Theologen Rainer Anselm rückläufig.
Berlin – Die Zahl der Politikerinnen und Politiker, die für Themen der Kirche ansprechbar sind, ist nach Einschätzung des Münchner evangelischen Theologen Rainer Anselm rückläufig. "Noch sind es überproportional viele", sagte der Vorsitzende der Kammer für Öffentliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Mittwoch vor Journalisten in Berlin. "Aber sie werden weniger."

Reiner Anselm. –Foto: Olaf Kosinsky/CC BY-SA 3.0-de

Die Zahl der Politikerinnen und Politiker, die für Themen der Kirche ansprechbar sind, ist nach Einschätzung des Münchner evangelischen Theologen Rainer Anselm rückläufig. „Noch sind es überproportional viele“, sagte der Vorsitzende der Kammer für Öffentliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Mittwoch vor Journalisten in Berlin. „Aber sie werden weniger.“

Anselm äußerte sich bei der Vorstellung des von der Kammer erstellten Grundlagentextes „Vielfalt und Gemeinsinn. Der Beitrag der evangelischen Kirche zu Freiheit und gesellschaftlichem Zusammenhalt“. Der rund 95 Seiten zählende Text, der in der Evangelischen Verlagsanstalt in Leipzig erschienen ist, will zeigen, welchen Beitrag der evangelische Glaube für eine immer pluralere Gesellschaft leisten kann.

„Es geht darum, wie wir damit umgehen, dass es Vielfalt und Gemeinsinn gibt“, sagte der scheidende EKD-Ratsvorsitzende, Bayerns Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Der Text beschäftige sich mit unterschiedlichen Lebensweisen, Interpretationen und Lebensvorstellungen. „Unabhängig von der eigenen Mitgliederzahl bleiben die Kirchen und Religionsgemeinschaften wichtige Orte für den Diskurs über ethische Grundorientierungen“, sagte Bedford-Strohm.

Gleichzeitig sei es weiterhin unverzichtbar, dass sich die Kirchen in den gesellschaftlichen Diskurs einbrächten. „Wo etwa Intoleranz mit Toleranz verwechselst wird, muss klare Kante gezeigt werden“, sagte Bedford-Strohm. „Wenn religiöse Dinge benutzt werden, um Intoleranz zu verbreiten, müssen wir klar Einspruch erheben.“

Als Grundüberzeugungen des christlichen Glaubens nennt der Text etwa „die Orientierung an Jesu Zuwendung zu den Menschen, die zum Einsatz für Ärmere, Ausgegrenzte, Entrechtete und zur Verantwortung gegenüber der Schöpfung motiviert“. Dazu kämen ein Plädoyer für Gewaltfreiheit sowie die „Hoffnung darauf, dass Menschen durch den Tod hindurch neues Leben erfahren“. „Diese Grundüberzeugungen gilt es engagiert zu vertreten, wohl wissend, dass sie ihre Kraft nur aus der jeweils konkreten Anwendung gewinnen“, heißt es in dem Text. Eine zentrale Rolle komme dabei dem christlichen Gottesdienst zu. Dieser umfasse mehr als Kult und Ritus, sondern sei auch das Einüben einer besonderen Haltung, die im Wissen um die Gemeinschaft im Glauben Vielfalt respektiere.

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