Schwesig: Härtere Strafen bei Missbrauch

Eine Strafverschärfung für Missbrauchstäter soll nach Worten der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), noch in diesem Jahr kommen. „Wir brauchen einen nationalen Pakt von Bund, Ländern und Kommunen, um Kinder vor sexueller Gewalt besser zu schützen“, sagte sie der „Bild“-Zeitung (Online-Ausgabe Samstag). Am Freitag hatte Schwesig im Bundesrat eine entsprechende Gesetzesinitiative vorgelegt.

Manuela Schwesig (SPD) (Foto: ©Susie Knoll/spd.de)

Zudem liegt dem Gremium ein Vorstoß aus Nordrhein-Westfalen vor. „Straftaten, die sexuellen Missbrauch von Kindern betreffen, müssen immer als Verbrechen geahndet werden“, sagte NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) der Zeitung. So dürfe es grundsätzlich keine Bewährungsstrafe geben, wenn jemand sich an der Vergewaltigung von Kindern beteilige. Weitere Schritte forderte auch Unionsfraktionsvize Thorsten Frei (CDU): „Es muss zum Beispiel möglich sein, im Internet verdeckt Daten zu beschlagnahmen, um die Kriminellen nicht vorzeitig zu warnen.“

„Pakt gegen sexuelle Gewalt“ gefordert

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, forderte ebenfalls einen „Pakt gegen sexuelle Gewalt“, eine Art gesellschaftliche Bewegung für den Kinderschutz. Im Interview der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ kündigte Rörig dazu eine neue Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagne an.

Nach den Worten des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs geht es darum, „Tabus zu brechen und ein Bewusstsein zu schaffen für die Gefahren und Risiken, denen Kinder und Jugendliche durch sexuelle Gewalt ausgesetzt sind“. Alle in der Bevölkerung müssten wissen, was sexuelle Gewalt ist, wo sie anfängt.

Sexueller Missbrauch alltägliche Gefahr

Richtungsweisend sei aus seiner Sicht die Aids-Kampagne der 80er-Jahre, „die es geschafft hat, ein Tabu-Thema breit zu vermitteln und die öffentliche Wahrnehmung regelrecht zu drehen“. Er wolle ein Bewusstsein dafür schaffen, „dass sexueller Missbrauch keine Ausnahmeerscheinung ist, sondern eine alltägliche Gefahr“, so Rörig weiter. „Wir wollen erreichen, dass niemand mehr denkt: Irgendein anderer kümmert sich schon. Wir wissen nämlich: Meistens kümmert sich keiner. In der Schule, in der Kita, in den Kirchen, im Sportverein und in den Familien – überall müssen wir genau hinsehen.“

Nach einem Beispiel gefragt, verwies Rörig unter anderem auf den Sport. Er betonte, Hilfestellungen müssten natürlich immer sein: „Aber wenn dem Trainer die Hand auf die Brust eines Mädchens rutscht, dann kann man in einem Verein einen Kodex haben, der sagt: Der Mann muss sich entschuldigen – und es darf kein zweites Mal passieren.“

Ohne Gefahr Hilfe holen

Die Kampagne soll laut Rörig außerdem aufzeigen, „wo man sich Hilfe holen kann, ohne sich der Gefahr auszusetzen, wegen übler Nachrede oder falscher Verdächtigung selber in eine schwierige Situation zu kommen“. Das sei zum Beispiel durch eine Beratung beim Hilfetelefon des Beauftragten oder bei einer Fachberatungsstelle möglich.

kna
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