Dalai Lama: Umdenken angesichts der Corona-Pandemie

Der Dalai Lama fordert angesichts der Corona-Krise ein radikales Umdenken in der Gesellschaft. Derzeit seien überall Angst, Sorgen und Unsicherheit zu beobachten, schreibt er in einem Essay, den die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ veröffentlicht. Probleme werde es immer geben: „Aber wenn wir die Hoffnung und den Mut verlieren, werden wir unsere Fähigkeit verlieren, die Probleme zu überwinden.“

Um für sich selbst, andere Menschen und den Planeten zu sorgen, brauche es Wissen, betont der Geistliche, der den Tibetern als 14. Wiedergeburt des Buddhas des Mitgefühls gilt. Wenn Kinder jedoch in „das System Schule“ kämen, „wird nicht viel über die Werte der Menschlichkeit gesprochen. Sie lernen, sich auf materielle Ziele zu fokussieren, während ihre inneren Werte verkümmern.“ Das Bildungssystem müsse daher ergänzt werden, damit junge Leute etwa „Hilfsbereitschaft, Sorge und Verantwortungsübernahme für andere Menschen“ lernten.

Antworten „jenseits der Religion“

Die Antworten auf aktuelle Herausforderungen sieht der Dalai Lama nach eigenen Worten „jenseits der Religion“: „Sie liegen in einem Konzept, das ich ’säkulare Ethik‘ nenne.“ Dieses Konzept bedeute, „dass wir uns selbst erziehen und bilden – basierend auf wissenschaftlicher Erkenntnis, gemeinsamen Erfahrungen und der gemeinsamen Überzeugung, dass wir die Werte der Menschlichkeit auf der ganzen Welt fördern müssen.“

Dazu gehöre auch Respekt gegenüber allen Religionen sowie denjenigen, die keiner Religion angehörten. Als buddhistischer Mönch fühle er sich verpflichtet, Harmonie zwischen den Weltreligionen zu befördern. „Es ist eine Sache, bestimmte religiöse Institutionen abzulehnen“, so der Dalai Lama. „Aber wer würde sich der grundlegenden Lehre der Liebe und des Mitgefühls entgegenstellen oder den grundlegenden, menschlichen Qualitäten wie Güte, Mitgefühl, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit?“

kna
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