Amazonien: Kirchenvertreter zieht bittere Corona-Bilanz

Rund zehn Monate nach der Amazonas-Synode in Rom zieht der Sekretär des kirchlichen Amazonasnetzwerkes REPAM, Mauricio Lopez, eine bittere Bilanz. Neben den drastischen Folgen der Pandemie für die Menschen habe sich auch die soziale und politische Lage verschärft, sagte er Radio Vatikan (Dienstag). So seien in Amazonien bereits über eine Million Fälle von Covid-19 offiziell registriert, die tatsächliche Zahl insbesondere unter Indigenen dürfte aber noch höher liegen.

Luftaufnahme des Amazonasregenwaldes (Foto: Adveniat)

Alle Probleme, über die im vergangenen Oktober auf der Amazonas-Synode gesprochen wurde und die der Papst in seinem Schreiben „Querida Amazonia“ benannt habe, stellten sich noch dringlicher, so Lopez. In Amazonien herrschten „zunehmend Gewalt, Mord, Verfolgung sowie Kriminalisierung von Vertretern und Verteidigern des Territoriums“. Landwirtschaft und Viehzucht dehnten sich zunehmend aus, ebenso die Brände, die noch größer seien als im letzten Jahr.

Den Begehrlichkeiten der Wirtschaft ausgeliefert

Vor allem indigene Völker seien nicht nur von der Ausbreitung des Virus betroffen. Sie seien weiterhin den Begehrlichkeiten der Wirtschaft ausgeliefert. Die Politik der Regierung bestehe in einer „Komplizenschaft, die von den Völkern selbst als Ethnozid und Ökozid“ bezeichnet werde. Besonders wichtig seien daher kirchliche Präsenz in der Fläche sowie konkrete Hilfe für die Ureinwohner.

Die kirchliche Amazonas-Konferenz, die im Gefolge der Synode gegründet wurde, habe zwar einige Projekte anstoßen können, so der REPAM-Generalsekretär. Doch er räumte ein: „Es gibt viele Maßnahmen, die ergriffen wurden, aber im Rahmen der Pandemie sind sie alle unzureichend.“ Der neuen Amazonas-Konferenz CEA gehören die Vorsitzenden der wichtigsten kirchlichen regionalen Vereinigungen an wie auch indigener Völker.

kna
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