Theologen und Laien ringen um Papst-Äußerung zu Homosexuellen

Papst Franziskus (Archivfoto: © Palinchak |Dreamstime.com)

Theologen und Laien ringen weiter um mögliche Konsequenzen aus den jüngsten Papst-Äußerungen zu homosexuellen Lebensgemeinschaften. Die Aussagen könnten sich „vielleicht als wichtiger Schritt auf dem Weg zur Änderung der Lehre herausstellen“, sagte etwa der katholische Mainzer Moraltheologe Stephan Goertz der Süddeutschen Zeitung.

Änderung überfällig

Eine solche Änderung sei überfällig, meinte Goertz weiter: „Die Kirche hinkt der kulturellen Entwicklung und den moralischenDreamstime.com um Jahrzehnte hinterher.“ Franziskus verfolge offenbar weniger „eine Theologie des Leibes wie Johannes Paul II. als vielmehr eine Theologie der Liebe“.

Ein am Mittwoch in Rom vorgestellter Film zeigt Aussagen von Papst Franziskus, in denen er eingetragene, zivile Partnerschaften für gleichgeschlechtliche Paare befürwortet: „Homosexuelle haben das Recht, in einer Familie zu leben“, sagt das Kirchenoberhaupt in einer Szene. Auch sie seien Kinder Gottes: „Was wir benötigen, ist ein Gesetz, das eine zivile Partnerschaft ermöglicht.“

Eine Tür geöffnet

Den Frankfurter Theologen Ansgar Wucherpfennig zitierte die Süddeutsche dagegen mit den Worten: „Als Seelsorger ist Franziskus stark, theologisch aber lässt er viele Fragen offen.“ Wucherpfennig tritt selbst für eine kirchliche Neubewertung der Homosexualität ein. Er äußerte sich zugleich optimistisch: „Der Papst hat eine Tür geöffnet, eventuell wird erst sein Nachfolger durch sie hindurchgehen. Aber sie ist offen.“

Aus Sicht des Brixener Moraltheologen Martin M. Lintner kann die katholische Kirche nach der Papst-Äußerung eine Segnung homosexueller Partnerschaften nur noch schwerlich verweigern. „Ich erwarte mir eine intensive, wenn auch kontroverse innerkirchliche Auseinandersetzung über diese Frage“, sagte der Ordenspriester dem Internetportal katholisch.de (Samstag).

Dialogverweigerung seitens des Lehramtes aufgehoben

„Die Dialogverweigerung seitens des Lehramtes über das, was theologisch und moraltheologisch dazu reflektiert worden ist, betrachte ich jetzt als aufgehoben“, erklärte Lintner. „Die ausnahmslose Verurteilung einer homosexuellen Beziehung als sündhaft ist offensichtlich nicht das letzte Wort der Kirche in dieser Frage.“ Der Papst gehe über die bisherige kirchliche Praxis, aber auch über die bisherige Lehre hinaus.

Das Forum Deutscher Katholiken erklärte dagegen, bestimmte Medienberichte über die Papst-Äußerung verunsicherten lehramtstreue Katholiken. Sie sähen darin den Versuch, unter Gläubigen Verwirrung zu schaffen. Das Forum betonte, die Lehre der Kirche unterscheide deutlich zwischen homosexuellen Handlungen und homosexuell veranlagten Menschen. Homosexuelle Handlungen seien in keinem Fall zu billigen, homosexuell veranlagte Menschen hingegen dürften nicht diskriminiert werden. Das Forum versteht sich nach eigener Definition als Förderer der „Verkündigung des katholischen Glaubens nach der Lehre der Kirche“.

Forum: Keine Rechtfertigung

Franziskus habe Homosexualität nicht gerechtfertigt. Vielmehr habe sich der Papst „auf die Behandlung Homosexueller als Menschen und Glieder der Zivilgesellschaft“ bezogen, sagte Forums-Vorsitzende Hubert Gindert.

kna