Erzbistum Köln: Neue Kommission zur Missbrauchsaufklärung

Zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle errichtet das Erzbistum Köln eine unabhängige Kommission. Dazu werde derzeit mit dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung ein „Fahrplan“ abgestimmt.

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Zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle errichtet das Erzbistum Köln eine unabhängige Kommission. Dazu werde derzeit mit dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung ein „Fahrplan“ abgestimmt, erklärte Generalvikar Markus Hofmann Angaben des Erzbistums zufolge am Wochenende vor dem Diözesanpastoralrat. Hierzu werde auch Kontakt mit der NRW-Landesregierung aufgenommen. Damit setze das Erzbistum eine Vereinbarung zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und dem Missbrauchsbeauftragten Johannes-Wilhelm Rörig um. Dieser habe den Schritt „ausdrücklich begrüßt“.

Erzbistum Köln erwägt eingeschränkte Veröffentlichung der WSW-Studie

Der Diözesanpastoralrat als zentrales Beratungsgremium von Kardinal Rainer Maria Woelki befasste sich laut Mitteilung außerdem mit dem nicht veröffentlichten Gutachten der Münchner Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW). Der Erzbischof stellte demnach eine eingeschränkte Veröffentlichung der Studie über den Umgang der Bistumsspitze mit Fällen sexualisierter Gewalt in Aussicht. Sie solle „für interessierte Einzelpersonen, insbesondere Betroffene oder Journalisten im rechtlich möglichen Rahmen“ offen stehen, wenn das neu beauftragte Gutachten des Strafrechtlers Björn Gercke im März fertiggestellt sei. Auch die künftige unabhängige Kommission und der Betroffenenbeirat im Erzbistum halten den Angaben zufolge Einsicht.

Woelki und Hofmann hatten Ende Oktober die Veröffentlichung des WSW-Gutachtens abgesagt und dies mit methodischen Mängeln begründet. Dies sei kein leichter Entschluss gewesen, sagte der Kardinal vor dem Gremium. „Wir mussten uns mit ernstzunehmenden Warnungen renommierter Juristen auseinandersetzen, die zu einem vernichtenden Urteil kamen“, so der Erzbischof. „Darüber konnte ich mich nicht einfach hinwegsetzen.“ Gercke habe aber wortgleich denselben Gutachterauftrag wie WSW bekommen. Unverändert bleibe damit das Ziel, Verantwortlichkeiten festzustellen und Namen zu nennen.

Gutachten soll juristischer Abschlusprüfung unterzogen werden

Auch das neue Gutachten will das Erzbistum nach eigenen Angaben einer Abschlussprüfung durch den Frankfurter Strafrechtler Matthias Jahn und den Erlanger Kriminologen Franz Streng unterziehen. Dies geschehe auf Anregung des Betroffenenbeirats. Jahn und Streng hatten auch das Westpfahl-Gutachten beurteilt. Ferner betonten Woelki und Hofmann vor dem Diözesanpastoralrat, sie hätten vom Inhalt des WSW-Gutachtens nach wie vor keine Kenntnis. Früher hatten sie deutlich gemacht, damit zur Unabhängigkeit der Untersuchung beitragen zu wollen.

kna
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