Papst: Alle im gleichen Boot

Zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung rufen Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft zu Barrierefreiheit und Inklusion auf.
Zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung rufen Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft zu Barrierefreiheit und Inklusion auf.

Papst Franziskus (Foto: © Palinchak| Dreamstime.com)

Zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung rufen Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft zu Barrierefreiheit und Inklusion auf. Papst Franziskus wies auf die besonderen Schwierigkeiten Betroffener in der Corona-Pandemie hin. „Wir sitzen alle im gleichen Boot mitten auf rauer See“, schrieb er in einer Mitteilung am Donnerstag. Aber einige hätten stärker zu kämpfen, darunter jene mit schweren Behinderungen.

Papst kritisiert weit verbreitete „Wegwerfkultur“

Der Internationale Tag der Behinderten ist eine Aktion der Vereinten Nationen und wird jährlich am 3. Dezember begangen. Ziel ist es, das öffentliche Bewusstsein für die Problematik der Menschen zu schärfen. Das katholische Kirchenoberhaupt kritisierte aus diesem Anlass erneut eine weit verbreitete „Wegwerfkultur“, die bereit sei, Teile der Menschheit zugunsten einer bevorzugten Gruppe zu opfern. „Im Grunde werden die Menschen nicht mehr als ein vorrangiger, zu respektierender und zu schützender Wert empfunden, besonders, wenn sie arm sind oder eine Behinderung haben“, so der Papst.

Der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für die Seelsorge für Menschen mit Behinderungen, Erfurts Weihbischof Reinhard Hauke, betonte bereits am Mittwoch: „Dort, wo wir Barrieren schon für abgebaut hielten, hat ein Virus neue Barrieren für Menschen mit Behinderung entstehen lassen.“

Spahn: „Balance finden zwischen Vielfalt und Zusammenhalt“

Auch für den deutschen Weltkirche-Bischof, den Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, gehören Menschen mit Behinderung aktuell zu den „besonders vulnerablen Gruppen“, da sie „ohne Kontakte zu anderen Menschen nicht leben“ könnten. Viele Frauen und Männer mit Behinderung könnten allein nur schwerlich die Wohnung verlassen, weil sie auf Alltagsassistenzen angewiesen seien.

Im Podcast „All Inclusive“ der Aktion Mensch erläuterte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) seine Vision für die Gesellschaft: „Ich wünsche mir, dass wir eine Balance finden zwischen Vielfalt und Zusammenhalt.“ Abgrenzung führe auch dazu, dass eine Gesellschaft immer weiter auseinandergehe. Deswegen sei die Wertschätzung der Unterschiede wichtig, aber auch, „dass wir immer noch wahrnehmen, wir sind ein Land, eine Gesellschaft, eine Gemeinschaft“.

VdK fordert Beachtung für Betroffene

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, forderte von der Politik mehr Beachtung für Betroffene. Auf NDR Info sagte sie, gerade die Arbeitsplätze für Behinderte müssten während der Corona-Pandemie unbedingt erhalten bleiben. Hier sei der Staat gefordert. Auch vor Einsamkeit müssten Menschen mit Behinderung dringend geschützt werden, so Bentele. Auf keinen Fall dürfe es wieder Besuchsverbote in Pflegeheimen geben.

Auch die Arbeiterwohlfahrt (Awo) beklagte, dass durch die Pandemie Ungleichheiten und strukturelle Benachteiligungen noch sichtbarer würden. Der Paritätische Wohlfahrtsverband legte zum Aktionstag einen Teilhabebericht zur Situation von Menschen mit Behinderung vor. Demnach bestehen in fast allen Lebensbereichen weiter erhebliche Barrieren für Menschen mit Behinderung.

kna
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