Experten: Psychosoziale Probleme in Krisenregionen wegen Corona

Die Corona-Pandemie wird nach Experteneinschätzung eine psychosoziale Krise nach sich ziehen. Vor allem in Krisenregionen sei mit schwerwiegenden langfristigen Problemen zu rechnen.
München – Die Corona-Pandemie wird nach Experteneinschätzung eine psychosoziale Krise nach sich ziehen. Vor allem in Krisenregionen sei mit schwerwiegenden langfristigen Problemen zu rechnen, erklärte Jan Ilhan Kizilhan, Traumatologe und Leiter des Instituts für transkulturelle Gesundheitsforschung an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Hintergrund ist eine digitale Fachkonferenz zur psychischen Situation von Kindern in Krisengebieten, zu der die SOS-Kinderdörfer Experten aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft eingeladen hatten.

(Symbolfoto: Alexandra_Koch / Pixabay)

Die Corona-Pandemie wird nach Experteneinschätzung eine psychosoziale Krise nach sich ziehen. Vor allem in Krisenregionen sei mit schwerwiegenden langfristigen Problemen zu rechnen, erklärte Jan Ilhan Kizilhan, Traumatologe und Leiter des Instituts für transkulturelle Gesundheitsforschung an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Hintergrund ist eine digitale Fachkonferenz zur psychischen Situation von Kindern in Krisengebieten, zu der die SOS-Kinderdörfer Experten aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft eingeladen hatten.

Bereits jetzt habe sich die Situation vielerorts verschlechtert, wie unter anderem eine Untersuchung in den Flüchtlingslagern in der nordirakischen Provinz Dohuk zeige, betonte Kizilhan. Dort hätten Quarantänemaßnahmen und Isolation dazu geführt, dass Kinder verstärkt Symptome entwickelten. Seit Beginn der Pandemie gebe es bei psychologischen Erkrankungen einen Anstieg um 20 Prozent. Insgesamt litten mehr als die Hälfte der Menschen unter posttraumatischen Belastungsstörungen wie Flashbacks, Angststörungen oder Depressionen.

In Syrien beeinträchtige Corona-Pandemie die psychische Situation der Kinder

Auch in Syrien beeinträchtige die Corona-Pandemie die ohnehin kritische psychische Situation der Kinder massiv, erklärte Lur Katt, Sprecherin der SOS-Kinderdörfer in Syrien, in der Mitteilung von Freitag. „Zu Krieg und Vertreibung kommen zusätzliche Not und Ungewissheit durch das Virus und die wirtschaftlichen Maßnahmen. Für die Kinder ist das eine enorme Belastung. Viele Kinder sind verstummt, leiden unter Albträumen, haben Selbstmordgedanken. Ihre seelischen Wunden sind tief.“

Die Experten seien sich einig gewesen, dass es einen eklatanten Mangel an psychischer Unterstützung und kompetenter Hilfe in den betroffenen Ländern gebe. „Maßnahmen zur Verbesserung der psychischen Gesundheit müssen fester Bestandteil der Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Hilfe werden“, forderte Wilfried Vyslozil, Vorstandsvorsitzender der SOS-Kinderdörfer weltweit. Gerade in Kriegs- und Krisengebieten bräuchten Kinder Schutz und Sicherheit sowie psychologische Hilfe. Nur dann könnten sie es schaffen, Resilienz aufzubauen und wieder einen Weg zu einem besseren Leben finden.

kna
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