Bischof befürwortet Einebnung des Grabes eines Missbrauchstäters

Der katholische Bischof von Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, befürwortet die Einebnung des Grabes von Pfarrer Herbert Jungnitsch.
Dresden – Der katholische Bischof von Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, befürwortet die Einebnung des Grabes von Pfarrer Herbert Jungnitsch. Dem vor 50 Jahren gestorbenen Seelsorger der Kirchengemeinde Sankt Georg in Heidenau wird der sexuelle Missbrauch von Kindern in mehreren Fällen zur Last gelegt. "Ich halte die Einebnung für eine gute Idee", sagte Timmerevers in einem Interview der "Sächsischen Zeitung" (Samstag). "An diesem Grab kann es zu Retraumatisierungen kommen. Darum ist die Einebnung angemessen, eine ganz selbstverständliche Konsequenz."

Bischof Heinrich Timmerevers (Foto: Offizialat Vechta/Johannes Hörnemann)

Der katholische Bischof von Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, befürwortet die Einebnung des Grabes von Pfarrer Herbert Jungnitsch. Dem vor 50 Jahren gestorbenen Seelsorger der Kirchengemeinde Sankt Georg in Heidenau wird der sexuelle Missbrauch von Kindern in mehreren Fällen zur Last gelegt. „Ich halte die Einebnung für eine gute Idee“, sagte Timmerevers in einem Interview der „Sächsischen Zeitung“ (Samstag). „An diesem Grab kann es zu Retraumatisierungen kommen. Darum ist die Einebnung angemessen, eine ganz selbstverständliche Konsequenz.“

Bistum ist der Fall seit über zehn Jahren bekannt

Die „Sächsische Zeitung“, die als erste über den Fall berichtete, spricht von vier bislang bekannten Opfern Jungnitschs sowie mindestens sechs weiteren mutmaßlichen Beteiligten aus dem Umfeld der Pfarrgemeinde. Dem Bistum ist der Fall seit über zehn Jahren bekannt. Die Aufarbeitung innerhalb der Gemeinde hatte Gemeindereferent Benno Kirtzel im vergangenen Jahr auf Eigeninitiative angestoßen. Dabei wurde auch die Idee ins Spiel gebracht, das Grab von Jungnitsch einzuebnen.

Über das Echo auf diesen Vorstoß zeigte sich Bischof Timmerevers überrascht. „Ich hatte nicht erwartet, dass die Einebnung so weite Kreise in der Öffentlichkeit ziehen würde“, sagte er. „In meiner Heimat wurde eine Straße nach einem Priester benannt, da gab es jetzt ein eindeutiges Votum, das zurückzunehmen, weil er Missbrauch verübt hat. Aber das Entfernen eines Grabsteins ist offenbar ein noch stärkeres Symbol.“

Bischof: Vorgehen der Gemeinde in Heidenau habe Pilotcharakter

Das Vorgehen der Gemeinde in Heidenau habe Pilotcharakter, so Timmerevers. „Meine Vorstellung ist so, dass wir das, was wir in Heidenau lernen, auch für andere Gemeinden umsetzen können.“ Auf die Frage, welche finanziellen und personellen Ressourcen das Bistum der Gemeinde für die weitere Aufarbeitung zur Verfügung stelle, antwortete der Dresdner Bischof: „So weit sind wir noch nicht. Wir nutzen auf Bistumsebene externe Fachleute, da investieren wir schon eine Menge rein. Auch ich lasse mich coachen. Und das ist jetzt nicht so, dass diese Experten uns in ihrer Freizeit helfen. Wir sind so ein kleiner Laden hier – andere Bistümer hätten vermutlich viel mehr Ressourcen.“

An einem im kommenden Juni geplanten Informationsabend in Heidenau werde nach derzeitigem Stand der Planungen Generalvikar Andreas Kutschke teilnehmen, sagte Timmerevers. Er selbst habe „grundsätzlich nicht die Schwierigkeit“ auch selbst zu der Zusammenkunft zu kommen, aber es gebe Gründe die dagegen sprächen, so der Bischof. „Vielleicht konzentriert sich die Veranstaltung dann zu sehr auf meine Person und weniger auf das Thema. Vielleicht pusche ich mit meiner Anwesenheit die Polarisierung in der Gemeinde“, sagte er. In dem Interview kündigte Timmerevers überdies Sanktionen gegen Gemeinden des Bistums an, die noch kein Präventionskonzept erstellt haben. „Bei Gemeinden, die das Thema Prävention nicht ernstnehmen, lassen wir derzeit als Ultima Ratio prüfen, inwieweit wir die geldlichen Regelzuweisungen an eine Pfarrei einkürzen können.“

kna

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