Stamp: Kölner Aufklärung hat Schaden genommen

Der nordrhein-westfälische Familienminister Joachim Stamp (FDP) hält die versprochene Missbrauchsaufklärung im Erzbistum Köln für „nicht mehr erkennbar“.
Kölner Dom, Erzbistum Köln, Berlin/Köln – Der nordrhein-westfälische Familienminister Joachim Stamp (FDP) hält die versprochene Missbrauchsaufklärung im Erzbistum Köln für "nicht mehr erkennbar". Die Aufarbeitung habe schweren Schaden genommen, sagte er am Donnerstag im Interview der "Welt" (online). "Es darf nicht der öffentliche Eindruck entstehen, dass es jetzt mehr um Schadensbegrenzung der Amtskirche geht als um die Perspektive der Opfer." Dazu habe jedoch der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki mit seiner Kommunikation erheblich beigetragen. "Viele Katholiken sind sehr verärgert, teilweise sogar verstört."

(Symbolfoto: SatyaPrem/Pixabay)

Der nordrhein-westfälische Familienminister Joachim Stamp (FDP) hält die versprochene Missbrauchsaufklärung im Erzbistum Köln für „nicht mehr erkennbar“. Die Aufarbeitung habe schweren Schaden genommen, sagte er am Donnerstag im Interview der „Welt“ (online). „Es darf nicht der öffentliche Eindruck entstehen, dass es jetzt mehr um Schadensbegrenzung der Amtskirche geht als um die Perspektive der Opfer.“ Dazu habe jedoch der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki mit seiner Kommunikation erheblich beigetragen. „Viele Katholiken sind sehr verärgert, teilweise sogar verstört.“

Woelki sollte sich noch einmal selbst prüfen, sagte der stellvertretende Ministerpräsident. Das Amt des Erzbischofs sei mit hohem moralischen Anspruch verbunden. „Das gilt auch für weitere Amtsträger, die die Aufklärung nicht konsequent genug vorangetrieben haben.“ Stamp forderte ein unmissverständliches Schuldeingeständnis von Kirchenvertretern, auch wenn dies den seelischen Schaden der Opfer nicht heilen könne. Zudem befürwortete er die Einrichtung eines gut ausgestatteten Opferfonds. „Das wäre das Mindeste, was die Kirche tun kann.“

Im Erzbistum Köln wird seit Monaten um die öffentliche Aufarbeitung früherer Fälle sexuellen Missbrauchs durch Geistliche gerungen. Dabei geht es auch darum, Verantwortliche zu benennen, die Täter geschützt und Verbrechen vertuscht haben. Ein erstes Aufarbeitungs-Gutachten hat Woelki nicht veröffentlichen lassen, weil er es für fehlerhaft und nicht rechtssicher hält; zugleich hat er für den 18. März ein zweites Gutachten angekündigt. Kritiker werfen ihm mangelnden Aufklärungswillen und schlechte Kommunikation vor.

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