Bischof Genn entzieht „Totus Tuus“ kirchliche Anerkennung

Der Münsteraner Bischof Felix Genn hat der geistlichen Gemeinschaft „Totus Tuus Neuevangelisierung“ die kirchliche Anerkennung entzogen.
Münster – Der Münsteraner Bischof Felix Genn hat der geistlichen Gemeinschaft "Totus Tuus Neuevangelisierung" die kirchliche Anerkennung entzogen. Er unterzeichnete ein entsprechendes Dekret und begründete dies mit geistlichem Missbrauch in der Vereinigung, wie das Bistum am Freitag mitteilte. Danach darf sich die in mehreren Ländern verbreitete Gruppe nicht mehr katholisch nennen. Als weltweit einziges Bistum hatte Münster "Totus Tuus" (Ganz Dein) 2004 anerkannt.

Bischof Felix Genn(Foto: pbm)

Der Münsteraner Bischof Felix Genn hat der geistlichen Gemeinschaft „Totus Tuus Neuevangelisierung“ die kirchliche Anerkennung entzogen. Er unterzeichnete ein entsprechendes Dekret und begründete dies mit geistlichem Missbrauch in der Vereinigung, wie das Bistum am Freitag mitteilte. Danach darf sich die in mehreren Ländern verbreitete Gruppe nicht mehr katholisch nennen. Als weltweit einziges Bistum hatte Münster „Totus Tuus“ (Ganz Dein) 2004 anerkannt.

Das Bistum ging seit 2017 Vorwürfen ehemaliger Mitglieder nach, wonach die Gemeinschaft sektenartige Strukturen pflege. Die Rede war unter anderem von blindem Gehorsam und beeinträchtigter Freiheit besonders im Bereich von Sexualität und Ehe.

Die „Totus Tuus“-Verantwortlichen seien „nicht willens, bereit und in der Lage“, die in einem Untersuchungsbericht festgehaltenen schwerwiegenden Mängel im geistlichen Umgang mit Mitgliedern einzusehen und abzustellen, heißt es in dem Dekret. Seelsorge-Mitarbeitern des Bistums wird darin eine Mitgliedschaft oder Mitwirkung in der Vereinigung untersagt. Hinweise auf Straftaten oder sonstiges rechtliches Fehlverhalten wurden laut Bistum bei „Totus Tuus“ aber nicht gefunden.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatten ein Priester und eine Ordensfrau die Gemeinschaft in den Jahren 2017 und 2018 im Auftrag von Genn untersucht, wie es hieß. Nach deren Visitation erfolgte ein zweijähriger Gesprächs- und Aufarbeitungsprozess, der im November 2020 mit einem Abschlussbericht endete. In den vergangenen Monaten habe sich, so Genn, gezeigt, dass es in der Leitung von „Totus Tuus“ an Einsicht in die Tragweite der Missstände fehle.

Nach Ansicht des Bischofs kam es bei „Totus Tuus“ wiederholt zu Handlungen und Kommunikationsverhalten, „die wir heute unter den Begriff geistlicher Missbrauch fassen“. Es sei ein Klima begünstigt worden, das Kritik zum Ausweis mangelnder geistlicher Reife erklärt und ein geschlossenes Elitedenken befördert habe. Im Bistum Münster gebe es bei spirituellem Machtmissbrauch „eine Haltung der Null-Toleranz“, betonte Genn.

Vor zweieinhalb Jahren hatte die „Totus Tuus„-Leitung die Vorwürfe zurückgewiesen; es habe lediglich „kommunikative und zwischenmenschliche Fehler“ gegeben. Zudem sprach sie von einer „Überforderung einzelner Mitglieder“. Gegen das Dekret kann die Gemeinschaft innerhalb von zehn Tagen Widerspruch einlegen und sich im Fall eines ablehnenden Bescheides an den Vatikan wenden.

Die Vereinigung hat derzeit weltweit 135 Mitglieder, wie das Bistum Münster unter Berufung auf die Organisation mitteilte. In der Diözese Münster gebe es nach Austritten inzwischen weniger als 20. Es müsse aber auch der Freundeskreis der Gemeinschaft im Blick behalten werden. So organisiere „Totus Tuus“ jedes Jahr ein Treffen im westfälischen Wallfahrtsort Telgte, an dem rund 200 Menschen teilnähmen. Auf ihrer Homepage bietet die Vereinigung zudem Glaubenskurse für Firmlinge, Camps und Gebetstreffen für Jugendliche, Gemeindemissionen und Wallfahrten nach Medjugorje in Bosnien-Herzegowina an. Mit dem kirchlich offiziell nicht anerkannten Marienwallfahrtsort in dem Balkanland ist „Totus Tuus“ eng verbunden. Ausgehend von einer Jugendwallfahrt dorthin gründete das Ehepaar Leon und Birgit Dolenec die Vereinigung in den 1990er-Jahren.

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