Charles III. hat mit seinen Namensvorgängern nicht viel Glück

Nein, Englands Könige müssen nicht ihren Taufnamen für ihre Regentschaft übernehmen. Doch Kronprinz Charles hat sich wie seine Mutter dafür entschieden. Damit muss er historische Hypotheken quasi souverän überspielen.
Nein, Englands Könige müssen nicht ihren Taufnamen für ihre Regentschaft übernehmen. Doch Kronprinz Charles hat sich wie seine Mutter dafür entschieden. Damit muss er historische Hypotheken quasi souverän überspielen.

König Charles III. –Foto: © Rafael Ben Ari | Dreamstime.com

Edward VIII., der 1936 für seine US-amerikanische Geliebte Wallis Simpson auf den Thron verzichtete, hieß zwar mit Erstnamen tatsächlich Edward, wurde aber von allen David genannt. Sein Bruder George VI., Vater von Queen Elizabeth II., hieß Albert („Bertie“), wollte aber nach Edwards Eklat Kontinuität mit seinem strengen Vater George V. betonen, zumal vor der Kulisse des aufziehenden Zweiten Weltkriegs.

Nein, Englands Könige müssen nicht ihren Taufnamen für ihre Regentschaft übernehmen. Doch Kronprinz Charles hat sich dafür entschieden, sich Charles oder Karl III. zu nennen – wie seine Mutter Elizabeth Elizabeth II. sein wollte. Damit muss er einige historische Hypotheken sozusagen souverän überspielen. Eine Anlehnung an Charles I. oder II. haben seine Eltern ohnehin nicht gesehen, wie sie später zu Protokoll gaben: Philip und Elizabeth fanden im Herbst 1948 einfach den Namen schön…

Die Geschichte von Charles I. und seinem Sohn Charles II. führt zurück in die bewegten Zeiten der Religionskonflikte und des Englischen Bürgerkriegs (1642-1649). Charles I., der 1625 mit erst 24 Jahren die Krone übernahm und im Dreißigjährigen Krieg einen scharf protestantischen und zugleich chaotischen außenpolitischen Kurs verfolgte, war von der Idee des Gottesgnadentums überzeugt – was zur Folge hatte, dass er sich ein ums andere Mal über die Beschlüsse des Parlaments und dessen Rechte hinwegsetzte.

Doch König Karl überschätzte seine Position, trotz einiger Warnschüsse wie der Verurteilung und Hinrichtung seines wichtigsten Beraters, des Earl of Strafford. Die Fehleinschätzung kostete den so sittenstrengen wie zugeknöpften Monarchen am Ende den Kopf. Da er nicht einlenkte, wurde er im Januar 1649 wegen Hochverrats enthauptet. Seine Überreste ruhen in Schloss Windsor, gleich neben dem Kirchenspalter und -gründer Heinrich VIII.

Der künftige Charles II. war bei der Hinrichtung seines Vaters erst 18 Jahre alt. Als nunmehr neuer König musste er vor Oliver Cromwell und der ausgerufenen Republik zunächst nach Schottland und dann in die Normandie ausweichen. Erst nach Cromwells Tod 1658 konnte Karl 1660 als König zurückkehren. Er regierte insgesamt geschmeidiger und weltläufiger als sein Vater – doch auch ihn hatte das Gottesgnadentum gepackt; mehrfach löste er das Parlament auf. Zudem schätzte Charles II. das sinnenfreudige Vorbild seines Vetters, des Sonnenkönigs Ludwig XIV. aus Frankreich – samt dessen Mätressentum.

Beim Großen Stadtbrand von London wurden im September 1666 vier Fünftel der mittelalterlichen Stadt zerstört, darunter 87 Pfarrkirchen und die alte St. Paul’s Cathedral; bis zu 80.000 Bewohner wurden obdachlos. Als der Brand endlich eingedämmt war, musste – obwohl die Stadtoberen offenkundig über Jahrzehnte Brandschutzbestimmungen missachtet hatten – ein Schuldiger her. Wohl unter Folter gestand ein zugereister Franzose, ein Uhrmacher, er habe das Feuer im Auftrag des Papstes gelegt. Er starb nach kurzem Prozess am Galgen. Später stellte sich heraus, dass er überhaupt erst zwei Tage nach der Katastrophe in London eingetroffen war.

Auf Initiative des Königs wurde 1668 an der Fish Street ein 61 Meter hohes Monument zur Erinnerung an den Brand errichtet. Dort hieß es: „Hier brach, mit Erlaubnis des Himmels, die Hölle über dieser protestantischen Stadt aus (…), angezettelt und ausgeführt durch Verrat und Tücke der Papisten. (…) Der papistische Rausch, der solche Schrecken brachte, ist bis heute nicht gestillt.“ Die Plakette wurde erst 1830 entfernt.

Charles II. überlebte dann 1683 ein protestantisches Mordkomplott – und starb 1685 an den Folgen eines Schlaganfalls. Noch auf dem Totenbett trat er zum Katholizismus über. Zwar fehlte ihm ein legitimer Thronerbe – doch seine große Schar illegitimer Kinder erkannte Charles II. fast alle offiziell an und verlieh ihnen Adelstitel.

Pikant: Seine heute bekanntesten Nachkommen sind Diana, Princess of Wales, und Camilla, die Herzogin von Cornwall – mithin die beiden Ehefrauen des künftigen Charles III. Übrigens: Camillas erster Ehemann Andrew Parker-Bowles war katholisch; ihre gemeinsamen Kinder wurden katholisch erzogen. Charles‘ Söhne, Herzog William von Cambridge, und Harry, nur nominell noch Herzog von Sussex, sind gute Anglikaner – wie es das Gesetz zur Thronfolge seit 1701 gebietet.

Von Alexander Brüggemann (KNA)