Kardinal fordert Perus Präsidenten zum Rücktritt auf – Korruptionsvorwürfe gegen Pedro Castillo

Die anhaltende innenpolitische Krise in Peru spitzt sich immer weiter zu. Nun hat sich auch die Kirche zu Wort gemeldet und eine eindeutige Botschaft gesandt.

Es ist ein Satz, mit dem der Erzbischof von Huancayo, Kardinal Pedro Barreto, die politische Debatte in Peru weiter anheizte. “Der größte Gefallen, den er uns tun könnte, besteht angesichts der Tatsachen und der Korruptions-Beweise darin, zurückzutreten”, sagte Barreto diese Woche in einem Interview. Gemeint ist der linksgerichtete Präsident Pedro Castillo, der nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft tief in einen Korruptionsskandal verwickelt ist, genau wie einige seiner Familienmitglieder. Inzwischen gibt es zahlreiche Beweise, die auf ein kriminelles Netzwerk innerhalb der Regierung hindeuten. So wird dem ehemaligen Gesundheitsminister vorgeworfen, Mitarbeiter angewiesen zu haben, Geld für den Kauf eines Apartments beiseitezuschaffen.

Der Kongress müsse nun seine historische Verantwortung wahrnehmen, forderte der Kardinal. Die Verfassung räume dem Parlament das Recht ein, Neuwahlen zu veranlassen. Der soziale Frieden fordere es, einem solchen Übergang Platz zu machen, um eine demokratische Lösung zum Wohle Perus zu suchen. Das Parlament solle erklären: “Wir haben aus einer schwarzen und korrupten Geschichte gelernt.” Barreto ist einer der einflussreichsten Kirchenvertreter Lateinamerikas, gilt als enger Vertrauter von Papst Franziskus und ist in Umwelt- und Sozialfragen besonders engagiert. Als im Juni 2021 das Wahlergebnis zwischen Castillo und Diktatorentochter Keiko Fujimori so knapp war, dass die Ermittlung des Endergebnisses Tage dauerte, forderte Barreto Fujimori auf, den hauchdünnen Vorsprung des Linkspolitikers zu akzeptieren. Es gelte, den Willen des Volkes zu respektieren, das sei ein Gebot der Demokratie. Sollte das nicht geschehen, würden weder Gesellschaft noch Demokratie der Konfrontation dauerhaft standhalten.

Doch inzwischen ist das Tischtuch zwischen dem Präsidenten und dem Kardinal zerschnitten. Schon im April kritisierte Barreto den Politiker scharf. Die Korruption im persönlichen Umfeld des Präsidenten sei ein Grund für die Unzufriedenheit und Krisenstimmung in Peru. Es gebe einen Teil der Bevölkerung, der sich betrogen fühle, sagte der Erzbischof von Huancayo, einer Region, die besonders von Protesten erschüttert wurde. Die Bevölkerung sei enttäuscht von Doppelmoral und dem Missbrauch politischer Macht zugunsten bestimmter Gruppen, betonte Barreto. Mittlerweile haben sich die Vorwürfe noch verschärft. Hinzu kommt, dass Castillo eine Art Kreuzzug gegen die örtlichen Medien führt, die über Korruptionsverdachtsfälle berichten.

Eigentlich hätte Perus Präsident im Oktober nach Europa reisen sollen. Ein Treffen mit Papst Franziskus war ebenso geplant wie Gespräche mit dem Welternährungsprogramm mit Sitz in Rom. Doch dann machte der Kongress in Lima die Europa-Reise nach Belgien, Italien und in den Vatikan zunichte. Er verweigerte mit knapper Mehrheit die notwendige Autorisierung, offenbar wegen Fluchtgefahr. Die Entscheidung widerspreche den Interessen des peruanischen Volkes, sagte Castillo daraufhin verärgert. Schließlich habe er sich bei der Reise für peruanische Belange einsetzen wollen.

Tobias Käufer (KNA)