Bischöfe stellen sich hinter „Synodalen Weg“

Kurz vor der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz geht die Debatte um Reformen in der katholischen Kirche weiter. Dabei wurde erneut Kritik an der Haltung des Vatikan laut.

Bischof Genn (Foto: Bistum Münster)

Der Münsteraner Bischof Felix Genn verteidigte den geplanten „synodalen Weg“. „Wir können als Deutsche Bischofskonferenz nicht eine wissenschaftliche Studie zum sexuellen Missbrauch in unserer Kirche in Auftrag geben und dann zur Tagesordnung übergehen“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstag). „Wir müssen und möchten den mühsamen Weg der Aufarbeitung gehen, der zuerst die Opfer in den Blick nimmt, aber auch kirchenimmanente Strukturen, die solche Taten ermöglicht und vertuscht haben.“

Die jüngste Kritik aus dem Vatikan wies Genn zurück. „Eine theologische Vertiefung hat noch niemandem geschadet, insbesondere nicht der Kirche“, erklärte er. Einen Sonderweg beschreiten die Deutschen in seinen Augen nicht: Früher oder später werde über die Fragen auch in anderen Ländern diskutiert werden.

Im Dezember wollen die Bischöfe mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) einen „verbindlichen synodalen Weg“ zur Erneuerung der Kirche starten. Themen sind Sexualmoral, priesterliche Lebensform, Macht und Gewaltenteilung sowie die Rolle von Frauen. Der Vatikan kritisierte zuletzt, dass viele Inhalte nur weltkirchlich entschieden werden könnten. Zudem wandte er sich gegen die Gleichberechtigung von Bischöfen und Laien bei den Abstimmungen.

Genn betonte dagegen: „Wir brauchen eine neue Machtverteilung, konkret ein neues Verhältnis von sogenannten Laien und Priestern, von Haupt- und Ehrenamtlichen, von Männern und Frauen in der katholischen Kirche.“ Er selbst sei bereit, „Macht abzugeben und mich etwa einer kirchlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit zu stellen, in der dann auch Laien mitentscheiden werden“.

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf verteidigte den „synodalen Weg“. „Es ist unstreitig, dass die Evangelisierung Kernaufgabe der Kirche ist und deshalb sind auch die Bischöfe im Bemühen um die Evangelisierung eins“, sagte er am Samstag in Mainz. Allerdings könne die Kirche auf die Ergebnisse der Missbrauchsstudie nicht mit einer Evangelisierungsinitiative antworten. Es sei klar, dass die Fragen nach Macht, Sexualmoral, priesterlicher Lebensform und der Rolle der Frau nicht mehr ausgeklammert werden könnten.

Der „synodale Weg“ müsse ein Gesprächsprozess werden, der auch eine Verbindlichkeit habe, sagte der Bischof. Gleichzeitig müsse ein solcher Impuls aus der deutschen Kirche natürlich auf weltkirchlicher Ebene besprochen werden. „Wir müssen eine Form von Kirche finden, die heute als Zeichen und Werkzeug Gottes erkannt wird.“

Der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus Pfeffer, kritisierte den Vatikan.Der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus Pfeffer, kritisierte den Vatikan. Wer angesichts der Krise der Kirche meine, man brauche nichts zu verändern, verschließe die Augen, sagte er der in Hagen erscheinenden „Westfalenpost“. „Es ist allerhöchste Zeit, über die Bedeutung des Weiheamtes, den Pflichtzölibat und die Zulassung der Frauen zum Amt zu sprechen.“ Viele engagierte Katholiken zweifelten, ob sie noch in der Kirche bleiben sollten, so Pfeffer. Die Signale aus Rom zum geplanten „synodalen Weg“ seien deshalb auch in ihrer Wirkung verheerend.

kna
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