Frauen sagen Kardinal Marx Unterstützung zu

Rund 180 Frauen und Männer haben am Montagmittag in Fulda für eine geschlechtergerechte Kirche demonstriert. Bei regnerischem Wetter zogen sie von Trommlern begleitet durch die Innenstadt auf einen Platz neben den Dom. Dabei skandierten sie „Gleich und berechtigt“.

(Foto: Britta Rausch/kfd)

In Fulda begann am Nachmittag die Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz und berät über Reformen. Auf Plakaten stand „Frauen, worauf wartet Ihr?“. Aufgerufen zu der Kundgebung hatte die Katholische Frauengemeinschaft Deutschland (kfd). Vor Beginn der Demonstration hatten die Bischöfe Peter Kohlgraf und Georg Bätzing einen kfd-Infostand besucht und mit den Frauen gesprochen.

Bei einer kurzen Kundgebung auf dem Platz forderte die kfd-Vorsitzende Mechthild Heil mehr Mitspracherechte für Frauen und sagte dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, Unterstützung bei dessen Reformbemühungen zu. Marx, der ebenso wie Fuldas Bischof Michael Gerber auf den Platz gekommen war, dankte den Frauen für deren lebendige Begleitung.

In der katholischen Kirche sei derzeit „viel in Bewegung“ und bei den Diskussionen über Reformen werde „kein Thema ausgeklammert“, so Marx. Der Kardinal nannte es gut, dass die Frauen für ihre Interessen „Wind machen“.

„Wir sind uns sicher, dass nach den starken Reformrufen und Aktionen der vergangenen Monate das Thema ‚Frauen und Kirche‘ großen Raum bei der Vollversammlung einnehmen wird. Nach wie vor treten wir aus unserem starken Glauben heraus für eine Erneuerung der Kirche ein. Eine Veränderung kann es nur im Miteinander und im Dialog geben – aber sie muss kommen“, sagte kfd-Bundesvorsitzende Mechthild Heil.

An einem Infostand in der Innenstadt vor der Stadtpfarrkirche St. Blasius sammelte die kfd Unterschriften für eine geschlechtergerechte Kirche und erhielt Besuch von den Bischöfen Bätzing und Kohlgraf. Von dort zog sie in einem Demozug zum Priesterseminar. „Wir Frauen unterstützen Kardinal Marx in seinen Reformbewegungen. Er soll wissen, dass wir an seiner Seite stehen. Aber wir wollen auch Ergebnisse sehen“, so Heil in ihrer Ansprache an die deutschen Bischöfe.

Die Teilnehmener aus verschiedenen Diözesen, darunter auch aus dem Bistum Essen, empfingen den Kardinal mit Transparenten „Tragt das Purpurkreuz für eine geschlechtergerechte Kirche!“ und „Frauen, worauf wartet Ihr?“, Plakaten sowie großen Purpurkreuzen als Symbol für die Forderung nach einer geschlechtergerechten Kirche.

Kardinal Marx: „Ich weiß, wie viel in Bewegung gekommen ist, und es braucht auch Bewegung. Mir ist wichtig, dass wir diesen ersten Schritt des Synodalen Weges gut hinbekommen.“ Dabei müsse deutlich werden, dass kein Thema ausgeklammert werde, so der Kardinal. „Deswegen sind auch die Themen, die Sie aufwerfen, zu besprechen. Die Rolle der Frau ist von außerordentlicher Bedeutung. Ich dränge und pushe, aber es bewegt sich manchmal zu langsam. Von daher ist es gut, dass Sie ein wenig Wind machen.“

Die Teilnehmenden sprachen gemeinsam mit Kardinal Marx und dem Fuldaer Bischof Gerber ein Gebet für die Erneuerung der Kirche. Die stellvertretende kfd-Bundesvorsitzende Prof’in Dr. Agnes Wuckelt: „Wir haben Jahrzehnte gebraucht, um vor einem Dom zu stehen und laut die Weihe von Frauen zu fordern. Es ist kein Tabuthema mehr. Einige Bischöfe sind auf uns zugekommen und haben gemerkt, dass man mit uns reden kann. Ich verspreche, dass wir nicht Ruhe geben werden. Es geht um alle Dienste und Ämter.“

Die Versammlung in Fulda bildete gleichzeitig den Auftakt zur bundesweiten kfd-Aktionswoche (23.-29. September 2019) „Macht Euch stark für eine geschlechtergerechte Kirche!“ im Rahmen der neuen Verbandsoffensive „kfd – die macht. für dich. für alle.“, mit der Deutschlands größter katholischer Frauenverband sich für den Zugang von Frauen zu allen Diensten und Ämtern in der Kirche einsetzt.

Die gesamte Aktionswoche hindurch finden bundesweit Aktionen statt. Die Online-Petition zur Sammlung von Unterschriften für eine geschlechtergerechte Kirche läuft bis Jahresende. Solange ist auch ein Selfie-Generator verfügbar, der einlädt, das eigene Bild mit Purpurkreuz und Forderung „JA zu einer geschlechtergerechten Kirche!“ zu versehen und in den Social Media zu verbreiten. Die kfd führt seit 2009 in der letzten Septemberwoche eine Aktionswoche durch.

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