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Wegen Missbrauchs verurteilter Priester H. ist weiter Kleriker

Der 1986 wegen Missbrauchs vom Amtsgericht Ebersberg verurteilte Priester H. ist bislang nicht aus dem Klerikerstand entlassen worden. Das hat eine Anfrage vom Mittwoch bei der Pressestelle der Erzdiözese München und Freising ergeben. Der Essener Diözesangeistliche hatte bereits in seinem Heimatbistum Kinder missbraucht. Er war 1980 vom Münchner Erzbistum in der Zeit von Joseph Ratzinger (später Papst Benedikt XVI.) als Erzbischof aufgenommen worden, unter der Auflage, eine Therapie zu machen.

H. betreute auch die Gemeinde in Engelsberg (Foto: © Ivo Mayr/CORRECTIV)

Erst 2010 wurde H. vom Amt suspendiert. Der nach wie vor im Münchner Erzbistum lebende Geistliche sei seither mit Auflagen belegt und dürfe keine priesterlichen Dienste mehr ausführen, hieß es auf Nachfrage. Eine vollständige Entlassung aus dem Klerikerstand wäre nach dem Kirchenrecht die Höchststrafe, die gegen ihn verhängt werden könnte.

Das ZDF-Magazin „Frontal21“ und das Recherchezentrum CORRECTIV hatten berichtet, Ratzinger sei dem Geistlichen im Jahr 2000 in Bayern zufällig begegnet, als er seinen sterbenskranken Studienfreund und einstigen Münchner Weihbischof Heinrich von Soden-Fraunhofen (1920-2000) privat besuchte. In der Nachbargemeinde war H. als Pfarrer im Einsatz. Die Begegnung mit dem Priester hat der emeritierte Papst am Mittwoch dementieren lassen. Auf Anfrage der dem Papst emeritus nahestehenden Zeitung „Die Tagespost“ erklärt er, dass es damals „weder eine Begegnung mit dem Priester H., noch ein Gespräch mit ihm gegeben“ habe.

Papst emeritus Benedikt XVI. hatte sich zunächst auf eine direkte Anfrage von CORRECTIV und Frontal21 zunächst nicht dazu. Nach der Veröffentlichung rief dessen Privatsekretär Georg Gänswein am Mittwoch beim ZDF an und erklärte im Namen Benedikts: „Es trifft zu, dass er im Jahr 2000 den Weihbischof besucht hat, weil er schwer krank war.“ Aber er habe „H. nie persönlich getroffen“. Während des Besuchs beim Weihbischof wurde „nicht über H. gesprochen¡, erinnere sich Ratzinger. „Dass H. in der Gemeinde lebte, in der von Soden weilte, war bekannt“, sagte Gänswein demnach. „Alles andere weiß Benedikt nicht mehr.“

Nach Missbrauchstaten in Essen wurde der Geistliche im Münchner Erzbistum in mehreren Gemeinden als Seelsorger eingesetzt. Dafür übernahm 2010 der ursprünglich dafür zuständige Generalvikar Gerhard Gruber die alleinige Verantwortung. H. war zunächst in München, später in Grafing tätig, wo er rückfällig wurde. Dafür wurde er dann 1986 verurteilt, aber noch während der Bewährungsfrist schickte man ihn als Pfarrseelsorger nach Garching an der Alz.

In der Nachbargemeinde Engelsberg lebte von 1993 bis 2000 der frühere Münchner Weihbischof von Soden-Fraunhofen, der ihn überwachen sollte. 2008 versetzte ihn der neu nach München gekommene Erzbischof Reinhard Marx in die Tourismusseelsorge nach Bad Tölz mit dem Verbot, Kontakt mit Kindern und Jugendlichen zu haben. Doch daran hielt er sich nicht.

Die Staatsanwaltschaft München II, die bereits früher gegen H. ermittelte, prüft derzeit, ob es weitere Taten gibt und ob Ermittlungen aufzunehmen sind. Das Bistum Essen rechnet derweil mit weiteren Opfern. Namentlich seien bisher acht Betroffene bekannt, die der damalige Kaplan zwischen 1973 und Ende 1979 missbraucht habe, sagte Sprecher Ulrich Lota der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Das Bistum vermute aber noch weitere fünf Opfer.

kna/rwm
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