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Krankenhausmanager für behutsames Umsteuern in Corona-Krise

ür eine behutsame Wiederaufnahme von zurückgestellten Operationen bei Nicht-Corona-Patienten plädiert der stellvertretende Vorsitzende des Katholischen Krankenhausverbandes Deutschlands (kkvd), Ingo Morell. Viele Krankenhäuser in Deutschland hätten mittlerweile freie Kapazitäten, weil die große Welle von schweren Corona-Erkrankungen glücklicherweise ausgeblieben sei, sagte der Sprecher der Geschäftsführung der Gemeinnützigen Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe am Donnerstag im Interview der Katholischen Nachrichen-Agentur (KNA) in Berlin.

Ingo Morell, stv. Vorsitzender kkvd. (Foto: © Jens Jeske /kkvd

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte die Kliniken am 10. März aufgefordert, planbare Operationen zu verschieben. Viele Krankenhäuser meldeten inzwischen Belegungsrückgänge in der Größenordnung von 30 Prozent und mehr, erläuterte Morell. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft berichtet von 150.000 freien Krankenhausbetten und cirka 10.000 freien Intensivplätzen.

Operationen nicht beliebig verschiebbar

Zugleich seien viele Operationen bei Nicht-Corona-Patienten nicht beliebig verschiebbar, so der Krankenhausmanager. „Wir dürfen, auch aus ethischen Gründen, wegen potenzieller Corona-Patienten nicht die Interessen und Bedürfnisse anderer Kranker missachten.“ Die Kliniken hätten in den vergangenen Woche ihre Beatmungskapazitäten erhöht und mehr Intensivbetten bereitgestellt. Sie könnten auf eine Erkrankungswelle viel schneller reagieren als noch vor vier Wochen.

Morell sieht derzeit wegen des Schutzschirmes der Bundesregierung keinen Anlass, über Kurzarbeit bei Ärzten und Pflegekräften nachzudenken. Denkbar sei Kurzarbeit allerdings für Nebenbetriebe wie Beratungsstellen oder Physiotherapie sowie für Leihkräfte, die Belastungsspitzen ausgleichen sollen.

Flexibilität im Gesundheitswesen angesichts

Morell lobte die Flexibilität im Gesundheitswesen angesichts der Corona-Krise. Zwar sei es aus rechtlichen und finanziellen Gründen schwierig, die ziemlich starren Grenzen zwischen ambulantem und stationärem Bereich und erst recht zwischen dem Bereich der Alten- und Gesundheitspflege zu überwinden. „Ich beobachte aber in dieser Krise, dass solche Grenzen plötzlich stark aufweichen. Zumindest für eine Zeit.“ So seien Krankenhäuser bereit, Altenheimbewohner vorübergehend aufzunehmen, wenn ihr Heim wegen Corona-Erkrankungen geschlossen werden müsse. Intensivpflegekräfte hülfen in anderen Krankenhäusern aus.

Die Corona-Krise wird nach Einschätzung von Morell auch Auswirkungen auf die Debatte über die Krankenhausdichte in Deutschland haben. Forderungen, die Zahl der Krankenhäuser von knapp 1.400 auf weniger als 600 zu senken, seien wohl vom Tisch. „Wir werden eine Debatte darüber bekommen, wie viel wirtschaftliches Denken im Gesundheitswesen angemessen ist und ob nicht der Daseinsvorsorge ein höherer Stellenwert zugemessen werden muss – etwa beim Erhalt von Krankenhäusern in ländlichen Regionen“, betonte Morell. „Das heißt nicht, dass man jedes bestehende Krankenhaus in Deutschland erhalten muss.“

kna
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