Corona: Kirchen rechnen mit Steuerausfällen und Austritten

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat die wegen der Corona-Pandemie erwarteten Ausfälle bei der Kirchensteuer als drastisch bezeichnet. Im SWR-„Interview der Woche“ sagte Bedford-Strohm zugleich, seit Jahren werde an Konzepten für eine Kirche der Zukunft gearbeitet, die zu geringeren finanziellen Möglichkeiten passe. Das Gespräch wird am Samstag gesendet.

Heinrich Bedford-Strohm (Foto: Spernol)

Der katholische Limburger Bischof Georg Bätzing sagte in einem am Freitag im Internet veröffentlichten Interview der „Süddeutschen Zeitung“, die Folgen der Krise beschleunigten Veränderungsprozesse, die es vorher schon gegeben habe. „Wir werden uns schneller als gedacht die Frage stellen müssen, wie wir mit unseren Ressourcen umgehen – mit den Menschen, die ja das eigentliche Gesicht der Kirche und ihrer Einrichtungen sind, und mit dem Geld“, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. „Bislang haben wir gesagt: Wir haben noch zehn Jahre Zeit, uns darauf einzustellen, dass wir mit sehr viel weniger Mitteln auskommen müssen. Das ist nun anders.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg erwartet in Folge der Corona-Pandemie weniger Gottesdienstbesucher und Kirchenmitglieder. „Ich bin ziemlich sicher – ohne jetzt schon Analysen vorweggreifen zu wollen – dass wahrscheinlich einige, die bisher traditionell zur Kirche gegangen sind, gemerkt haben: Das geht auch ohne“, sagte Sternberg im Podcast „Mit Herz und Haltung“ der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen. Es sei daher möglich, dass ein „gewisses Traditionschristentum“ noch stärker abbrechen werde als bisher schon.

Außerdem könne er sich vorstellen, dass Menschen aus der Kirche austreten, weil angesichts finanzieller Belastungen „mancher sich noch mehr die Frage stellt, ob denn die Kirchensteuer noch ganz angemessen ist“, so der Chef der katholischen Laienvertretung in Deutschland. Mit Blick auf die zu erwartenden Einnahmerückgänge der Kirchen, verschärft durch die Corona-Krise, sagte Sternberg: „Es wird in diesem Jahr einen Einbruch geben. Ganz ohne Frage. Das führt natürlich auch zu Verteilungsdiskussionen.“

Auf solche Debatten gebe es allerdings keine pauschalen Antworten, fügte der ZdK-Präsident hinzu. Die größten Einsparpotenziale sehe er in den Verwaltungsapparaten und zentralen Einrichtungen der Bistümer. Er plädiere dafür, einen größeren Anteil der Kirchensteuern den Pfarreien und Kirchorten zur eigenverantwortlichen Verwendung zu geben, so Sternberg.

Der Würzburger Bischof erläuterte unterdessen die von ihm für sein Bistum verhängte Haushaltssperre in der Podcast-Reihe „Himmelklar – Fürchtet euch nicht!“. Dies bedeute, dass alle Sonderausgaben noch einmal auf den Prüfstand kämen, so Jung. Nötig sei ein Überblick über die finanzielle Lage. „Dass es dramatisch werden wird, das ahnt glaube ich jeder“, so Jung. „Wir gehen schon von einem Fehlbetrag in zweistelliger Millionenhöhe aus, aber das kann man noch nicht genau beziffern.“

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