Bischöfe: Kritik an Kirchen in Corona-Krise „nicht berechtigt“

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat Kritik zurückgewiesen, dass die Kirchen in der Corona-Krise nicht präsent genug gewesen seien. Diese Kritik sei „nicht berechtigt“, sagte Kohlgraf in einem am Freitag auf seiner Facebook-Seite veröffentlichten Audiobeitrag des Bistums Mainz. „Natürlich kann man immer sagen, das und das hätte besser laufen müssen“, sagte Kohlgraf. Von Pfarrern sowie hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern höre er aber, wie viel in der Corona-Zeit vor Ort entwickelt worden sei. „Das ist schon zum Teil großartig.“

Bischof Peter Kohlgraf (Foto: Bistum Mainz)

Kohlgraf räumte ein: „Natürlich gab es am Anfang auch Phasen einer Schockstarre, wo wir auch nicht wussten, was passiert.“ Er selbst sei als Bischof aber „mehr in den Medien gewesen als je zuvor“ und habe sich oft zu den relevanten Themen geäußert. „Insofern kann ich für mich persönlich diese Kritik so nicht akzeptieren.“

Kritik von Christine Lieberknecht

Am schärfsten zum Verhalten der Kirchen während der Corona-Pandemie hatte sich die frühere thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) geäußert. Sie warf den Kirchen „Versagen“ vor, weil sie „Hunderttausende Menschen“ allein gelassen habe, etwa Kranke, Einsame, Alte und Sterbende.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, kündigte unterdessen an eine „selbstkritische Diskussion“ über das Verhältnis von Staat und Kirche nach dem Ende der Krise an. Dabei müsse es um die Frage gehen, ob die Kirche „zu vorauseilend“ agiert oder zu spät auf Lockerungen gedrängt habe, sagte der Limburger Bischof am Freitag in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“. Er persönlich sei der Ansicht, die Kirchen hätten verantwortlich gehandelt. Man habe sich bewusst nicht gegen die staatlich verordneten Einschränkungen gewehrt. „Der Verzicht auf größere Veranstaltungen war der einzige Weg, den Kollaps des Gesundheitssystems zu verhindern.“

„Verzicht ist uns sehr schwer gefallen“

Bätzing fügte hinzu: „Der Verzicht ist uns sehr schwer gefallen, aber es galt Menschenleben zu schützen.“ Die kirchliche Autonomie sei ein hohes Gut – „aber hier war der falsche Zeitpunkt, auf sie zu pochen“. In den notwendigen Debatten nach der Pandemie müsse auch erörtert werden, „wie es bei uns um das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit steht“.

Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, wies die Kritik Lieberknechts zurück. Im SWR-„Interview der Woche“ (Samstag) bezeichnete der bayerische Landesbischof die Vorwürfe als „unfair.“ Seelsorger hätten sich aufgerieben, um Menschen so gut wie möglich zu begleiten.

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