Bischof Ackermann kritisiert Vatikan-Papier: Missbrauch fehlt

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat die neue Vatikan-Instruktion zu Reformen in Kirchengemeinden deutlich kritisiert. „Ich bin irritiert darüber, dass vom Thema Missbrauch und Prävention keine Spur zu finden ist“, sagte er im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Als Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für dieses Thema störe ihn, dass in dem Papier kein Problembewusstsein zum Ausdruck komme, dass Pfarreien Orte von sexueller Gewalt gewesen seien und sein könnten.

Weiter kritisierte der Bischof, die Eigenverantwortung der Diözese und des Bischofs würden eingeschränkt. Papst Franziskus hebe immer wieder den Wert von Synodalität und der Ortskirche hervor. „Dieses Anliegen erkenne ich in der Instruktion nicht“, betonte der Bischof. Das Dokument setze Reformmöglichkeiten „spürbar engere Grenzen – deutlicher noch, als es unsere Gespräche in Rom zuletzt erkennen ließen.“

Ackermann: Papier spreche von Kreativität, lasse dafür aber keinen Spielraum

Nach einem Eingreifen des Vatikan hatte das Bistum angekündigt, seine ursprünglichen Reformpläne zu neuen Pfarreistrukturen in wesentlichen Punkten zu ändern. Zum gleichen Thema hatte es zuvor Gespräche zwischen Bischof Ackermann und Behörden der römischen Kurie gegeben. Ackermann sagte nun mit Blick auf die Instruktion: „Beim Lesen habe ich mich aber schon gefragt, was von unseren Realitäten und unseren Schwierigkeiten, die wir in Rom vorgetragen haben, verstanden wurde.“ Das Papier spreche von Kreativität, lasse dafür aber keinen Spielraum.

Zugleich betonte Ackermann, er werte das Papier nicht „als Endstation“. Es fordere vielmehr zu „noch intensiveren Gesprächen“ mit dem Vatikan auf. „Und zwar nicht nur von Seiten des Bistums Trier, sondern gemeinsam mit anderen Bistümern in Deutschland, die vor denselben Herausforderungen stehen wie wir.“ Er sei optimistisch, dass sich mit Rom „für die konkreten Situationen auch flexible Lösungen finden lassen“.

Laien von Gemeindeleitung ausgeschlossen

Nach der am Montag in Rom veröffentlichten Instruktion bleiben Laien von der Gemeindeleitung ausgeschlossen. Dagegen hebt der Text die Rolle des Pfarrers hervor. Bestrebungen, die Leitung von Pfarreien beispielsweise Teams aus Priestern und kirchlich Engagierten sowie anderen Mitarbeitern anzuvertrauen, widerspricht das Schreiben direkt.

kna
Werbung
Werbung