Covid-19: Spur aus Tod und Trauer in Frauenkonvent

Nirgendwo in der Welt wütet das Corona-Virus derzeit so wie in den USA, die nun mehr als vier Millionen Infizierte haben. In einem Frauenkonvent vor den Toren Detroits hinterließ Covid-19 eine Spur aus Tod und Trauer.

Das Livonia-Konvent. (Foto: Dave Parker/Wikimedia Commons/CC BY 3.0)

Die Schwestern vom Heiligen Felix von Cantalice sind Dank ihrer disziplinierten Lebensweise mit hohem Alter und langer Gesundheit gesegnet: zum Beispiel Mary Luiza Wawrzyniak, die 1940 gleich nach dem Abschluss an ihrer Highschool von South Bend im US-Bundesstaat Indiana den Felizianerinnen beitrat, die dem dritten Orden der Franziskaner angehören. Am Karfreitag dieses Jahres verstarb sie im Konvent von Livonia, ein paar Kilometer außerhalb der Industriestadt Detroit, im Alter von 99 Jahren.

13 Ordensschwestern starben innerhalb weniger Wochen

Am Ostersonntag folgten ihr Schwester Celine Marie Lesinski im Alter von 92 Jahren und Mary Estelle Printz mit 95 Jahren. Die drei hochbetagten Frauen starben allerdings keines natürlichen Todes. Sie waren unter den ersten Opfern des Covid-19-Erregers, der sich im März in das Kloster eingeschlichen hatte, in dem rund 60 Frauen zusammenleben, viele von ihnen im fortgeschrittenen Alter.

„Das Virus verhielt sich hinterhältig und verbreitete sich schnell“, berichtet Schwester Nancy Jamroz dem „Global Sister Report“ (GSR). So rasant, dass es binnen weniger Wochen das Leben von 13 Ordensschwestern kostete. Ein trauriger Rekord, wie der GSR hervorhebt. Seit der Spanischen Grippe von 1918 habe es keinen vergleichbaren Fall in einem Frauenkonvent gegeben. Insgesamt starben in den USA bislang 30 Ordensschwestern an Covid-19.

Ordenfrauen zogen sich in Quarantäne zurück

Niemand kann genau sagen, wie das Virus seinen Weg in die Gemeinschaft fand, die auf einem weitläufigen Grundstück lebt, das so groß wie 360 Fussballfelder ist. Die für die Pflege ihrer Mitschwestern verantwortliche Noel Marie Gabriel sagt, der Orden habe nach dem Anstieg der Fallzahlen im Frühjahr alle notwendigen Vorkehrungen getroffen.

Bereits in der zweiten Märzwoche wurden die Pforten für alle Besucher geschlossen. Die Ordensfrauen zogen sich zur Quarantäne in ihre Zimmer zurück. Sie nahmen ihre Mahlzeiten allein ein und verfolgten die Gottesdienste im Videostream. Für die Mitarbeiter des Konvents etablierte der Orden ein striktes Protokoll, das schon damals das Tragen von Masken und regelmäßiges Händewaschen vorsah.

„Wir weisen niemandem die Schuld zu“

Schwester Gabriel meint, „es könnte eine Kombination aus Schwestern, Mitarbeitern und Besuchern gewesen sein“, die das Virus in den Konvent gebracht hätten. „Wir weisen niemandem die Schuld zu.“ Stattdessen konzentrierten sich die Schwestern darauf, einander zu schützen und die Kranken zu versorgen.

„Das war die tragischste Zeit, an die wir uns erinnern können“, beschreibt Gabriel die Tage nach Ostern, als eine betagte Ordensfrau nach der anderen erkrankte und verstarb. „Es war ein Monat der Tragödien, des Kummers, des Klagens und der Trauer.“ Nichts sei geblieben, wie es war. „Wir lebten ein ganz anderes Leben.“

Totenwache fiel aus

Dazu gehörte auch, dass die Schwestern nach Jahrzehnten des Zusammenlebens nicht voneinander Abschied nehmen konnten. Die nächtliche Totenwache, bei der Erinnerungen über die Verstorbenen ausgetauscht werden, fiel ebenso aus, wie die Beerdigung in Anwesenheit der gesamten Gemeinschaft. Maximal zehn Schwestern durften die Verstorbenen beim letzten Weg auf den Friedhof begleiten.

Schwester Mary Christopher Moore sagt, sie und ihre Mitschwestern seien dankbar für die vielfältige Anteilnahme. „Sobald es möglich ist, werden wir das Leben jeder verstorbenen Schwester mit deren Familien feiern.“ Wann das sein wird, kann angesichts der außer Kontrolle geratenen Pandemie in den USA niemand sagen.

„Jede von uns ist eine Covid-Überlebende“

Immerhin in Livonia gibt es Fortschritte. Die Schwestern haben das Virus fürs Erste besiegt. „Jede von uns ist eine Covid-Überlebende“, zeigt sich Schwester Gabriel dankbar. Die Mission des Konvents bestehe nun darin, „durch Gebet, Hilfe und Aufgabe von Gewohnheiten“ anderen zu helfen, die Pandemie zu überstehen

Von Thomas Spang (KNA)
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