Vatikan veröffentlicht Ökumene-Leitfaden

Mit einer neuen Handreichung fordert der Vatikan die Bischöfe weltweit zu mehr ökumenischem Engagement auf.
Vatikanstadt (KNA) "Das ökumenische Engagement eines Bischofs ist keine bloß mögliche Dimension seines Dienstes, sondern ein Auftrag und eine Pflicht", heißt es im Vorwort des 50 Seiten umfassenden Textes, den der päpstliche Ökumene-Rat (Freitag) vorstellte.

(Symbolfoto: Pascal Ohlmann/pixabay)

Mit einer neuen Handreichung fordert der Vatikan die Bischöfe weltweit zu mehr ökumenischem Engagement auf. Das ökumenische Engagement eines Bischofs ist keine bloß mögliche Dimension seines Dienstes, sondern ein Auftrag und eine Pflicht“, heißt es im Vorwort des 50 Seiten umfassenden Textes, den der päpstliche Ökumene-Rat (Freitag) vorstellte. Für die Kirchen in Stammländern der Reformation wie Deutschland oder der Schweiz bietet der Leitfaden nichts wesentlich Neues. Der Text wende sich an die gesamte Weltkirche und solle jenen, die weniger ökumenische Erfahrung haben, eine Hilfe sein, betonte Kurienkardinal Kurt Koch als Leiter des Rates für die Einheit der Kirchen.

Leitfaden auch auf Bitten mehrerer Ortskirchen entstanden

Entstanden sei der Leitfaden in den vergangenen vier Jahren auch auf Bitten mehrerer Ortskirchen, so Koch weiter. Er sei daher keine Reaktion etwa auf die 2019 veröffentlichte Handreichung deutscher Bischöfe zur Kommunion für konfessionsverschiedene Ehepaare. Gleichwohl flössen Ergebnisse nationaler Dialoge in jene der Weltkirche ein, so der Ökumene-Beauftragte.

Im ersten Kapitel beschreibt der Text organisatorische innerkatholische Voraussetzungen wie etwa konkrete Ansprechpartner und Beauftragte. Auch wird eine Rolle der Ökumene in der Ausbildung kirchlicher Mitarbeiter verlangt. Eigens vermerkt das Vademecum ökumenische Perspektiven und Fairness in katholischer Medienarbeit. Das zweite, längere Kapitel nennt Felder gemeinsamen Engagements mit anderen Kirchen. Ein eigener Abschnitt ist konfessionsverschiedenen Ehen gewidmet. Diese sollten „nicht als Problem gesehen werden, da sie oft bevorzugte Orte seien, an denen kirchliche Einheit gefördert werden kann“. Dabei bespricht der Leitfaden auch die Sakramentenspendung.

Zugang zu  Sakramenten nach sorgfältiger Abwägung „wünschenswert und empfehlenswert“.

Generell sind katholische Eucharistie, Beichte und Krankensalbung nur Katholiken vorbehalten. In „Ausnahmefällen und unter bestimmten Bedingungen“ sei jedoch für einzelne Christen anderer Konfession der Zugang zu diesen Sakramenten nach sorgfältiger Abwägung „wünschenswert und empfehlenswert“. Die Entscheidung darüber obliegt dem Bischof; Voraussetzung sind entweder Lebensgefahr oder eine andere „schwere Notlage“. Maßgeblich dafür bleibt das 1993 veröffentlichte Ökumenische Direktorium. Der Leitfaden referiert dessen zentrale Aussagen und betont die für Bischöfe relevanten Aspekte. Dienst an der Ökumene verlange „Liebe zur Wahrheit, Nächstenliebe und Demut“, zitiert der Leitfaden das Ökumene-Dekret des Zweiten Vatikanischen Konzils von 1965. Einheit unter Christen werde nicht durch Kompromisse erreicht, sondern durch gemeinsame „vollständigere Anerkennung von Gottes Willen“.

Als wichtige Felder gemeinsamen Engagements nennt es den Einsatz von Christen in sozialen Notlagen, gegen Unrecht und Gewalt, für die Bewahrung der Schöpfung. Wichtig fürs Kennenlernen seien auch gemeinsame Konzerte, Ausstellungen oder Symposien. Trotz des Eindrucks, Ökumene sei zweitrangig geworden, müssten Kirchen und Christen angesichts neuer globaler Herausforderungen noch einiger sein, betonten die Kardinäle Marc Ouellet und Luis Tagle bei der Vorstellung. Im Anhang informiert die Handreichung über den Stand ökumenischer Beziehungen zu verschiedenen christlichen Kirchen und Gemeinschaften. Dazu listet sie die wichtigsten katholischen Dokumente zum Thema auf.

Von Roland Juchem (KNA)

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