Weitere Kritik an Kardinal Woelki

Für seinen Umgang mit einem Missbrauchsvorwurf im Erzbistum Köln steht Kardinal Rainer Maria Woelki weiter in der Kritik.
Köln – Für seinen Umgang mit einem Missbrauchsvorwurf im Erzbistum Köln steht Kardinal Rainer Maria Woelki weiter in der Kritik. Unter anderem meldeten sich die frühere Missbrauchsbeauftragte des Erzbistums, Christa Pesch, und Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) zu Wort, wie der "Kölner Stadt-Anzeiger" (Montag) berichtet. Auch der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, wirft Woelki Fehlverhalten vor.

Kardinal Rainer Maria Woelki (Foto: © bilder-erzbistum-koeln.de/Reiner Diart)

Für seinen Umgang mit einem Missbrauchsvorwurf im Erzbistum Köln steht Kardinal Rainer Maria Woelki weiter in der Kritik. Unter anderem meldeten sich die frühere Missbrauchsbeauftragte des Erzbistums, Christa Pesch, und Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) zu Wort, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Montag) berichtet. Auch der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, wirft Woelki Fehlverhalten vor.

Kinderschutzbund: „Die Aufklärung der Fälle gehört grundsätzlich in externe Hände“,

Pesch erklärte, der Kölner Erzbischof habe nicht versucht, den Vorwurf des Missbrauchs eines Kindergartenkinds aus den 1970er-Jahren aufzuklären. Auch Woelkis Vorgänger, Kardinal Joachim Meisner, habe dies unterlassen. „Es ist für mich schwer erträglich, wie der Kardinal und die Bistumsleitung jetzt die Verantwortung von sich wegschieben und an andere weitergeben“, sagte Pesch der Zeitung. Sie habe das Erzbistum schon 2011 darauf hingewiesen, dass der Vorwurf weiter verfolgt werden müsse.

Nach Ansicht des Präsidenten des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, sollten Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche von unabhängigen Stellen untersucht werden. „Die Aufklärung der Fälle gehört grundsätzlich in externe Hände“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Montag). Mit Blick auf Kardinal Woelkis Umgang mit dem besagten Missbrauchsvorwurf ergänzte Hilgers: „Bei der katholischen Kirche zeigen sich auch im aktuellen Fall deutliche strukturelle Probleme.“ Natürlich liege die Schuld immer beim Täter. „Aber es gibt Strukturen, die solche Taten begünstigen und auch ihre Vertuschung ermöglichen.“ Erzbischof Woelki und die Mitarbeiter der Pressestelle hätten sich „maximal ungünstig verhalten“.

Vertuschungsvorwürfe gegen Woelki stehen im Raum

In dem konkreten Fall geht es um den verstorbenen Düsseldorfer Pfarrer O., dem der Missbrauch eines Kindergartenkindes vor mehr als 40 Jahren vorgeworfen wird. Nach Medienberichten stehen Vertuschungsvorwürfe gegen Woelki im Raum, der bei dem Geistlichen als Praktikant und Diakon erste Seelsorgeerfahrungen gemacht hatte. 2010 zeigte ein Betroffener den Pfarrer beim Erzbistum an. 2011 erhielt der Betroffene in Anerkennung des Leids 15.000 Euro, das Dreifache des Regelsatzes.

Woelki wird zur Last gelegt, dass er den Vorwurf im Jahr 2015 wenige Monate nach seinem Amtsantritt in Köln zwar zur Kenntnis genommen, aber eine kirchenrechtliche Voruntersuchung und eine Meldung nach Rom unterlassen habe. Der Erzbischof begründete dieses Vorgehen mit der damals schon weit fortgeschrittenen Demenz des Pfarrers. Zudem habe der Betroffene keine persönliche Konfrontation mit dem mutmaßlichen Täter gewünscht. Inzwischen hat der Kardinal den Papst gebeten zu prüfen, ob er nach kirchlichem Recht eine Pflichtverletzung begangen hat.

Frühere Missbrauchsbeauftragte widerspricht Woelki

Die frühere Missbrauchsbeauftragte wies die Darstellung Woelkis zu dem Austausch mit dem Betroffenen zurück. Das Verhalten des Kardinals komme ihr vor „wie ein verzweifelter Rettungsversuch auf dem Rücken des Betroffenen und zu Lasten Dritter“. Der Betroffene selbst hatte in einer E-Mail an die Düsseldorfer Zeitung „Express“ ebenfalls bereits Woelkis Darstellung widersprochen, er habe an der Aufklärung nicht mitwirken wollen.

Oberbürgermeisterin Reker forderte unterdessen: „Alle Fälle von sexualisierter Gewalt in der Kirche müssen schnellstmöglich ans Tageslicht gebracht werden und da, wo es möglich ist, auch strafrechtlich verfolgt werden.“ Weiter sagte sie der Zeitung: „Die Kirche, die eine moralische Botschaft in die Welt sendet, muss sich natürlich auch selbst an diese halten.“

kna
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