Kommission: Zweifel am Willen zur ehrlichen Aufarbeitung in Köln

Die unabhängige Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem Kindesmissbrauch hat die Vorgänge im Erzbistum Köln scharf kritisiert.
Kölner Dom, Erzbistum Köln, Berlin – Die unabhängige Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem Kindesmissbrauch hat die Vorgänge im Erzbistum Köln scharf kritisiert. Der Prozess sei mittlerweile schwer beschädigt, erklärte die Kommission am Montag in Berlin. Von außen betrachtet sei "der Eindruck von Vertuschung beim Vorgehen im Erzbistum Köln stärker als das Vertrauen auf einen echten Aufarbeitungswillen". Eine Klärung gegenüber den Betroffenen und der Zivilgesellschaft sei dringend notwendig.

(Symbolfoto: SatyaPrem/Pixabay)

Die unabhängige Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem Kindesmissbrauch hat die Vorgänge im Erzbistum Köln scharf kritisiert. Der Prozess sei mittlerweile schwer beschädigt, erklärte die Kommission am Montag in Berlin. Von außen betrachtet sei „der Eindruck von Vertuschung beim Vorgehen im Erzbistum Köln stärker als das Vertrauen auf einen echten Aufarbeitungswillen“. Eine Klärung gegenüber den Betroffenen und der Zivilgesellschaft sei dringend notwendig.

Betroffene fühlen sich instrumentalisiert

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki steht wegen der strittigen Missbrauchsaufarbeitung in seinem Erzbistum derzeit unter Druck. Ein Gutachten zum Umgang mit Missbrauchsfällen ließ er wegen „methodischer Mängel“ nicht wie zunächst vorgesehen veröffentlichen. Ein neues Gutachten soll bis zum 18. März vorliegen. Zudem wird dem Erzbischof vorgeworfen, selbst in die Vertuschung von Missbrauch verwickelt gewesen zu sein. Kritiker halten die bisherige Kommunikationsstrategie des Kardinals in großen Teilen für mindestens unglücklich.

Das Gutachten nicht zu veröffentlichen, wecke „erhebliche Zweifel an dem Willen einer ehrlichen Aufarbeitung“, so die Kommission weiter. Besonders schwer wiege, dass sich einige Mitglieder des Betroffenenbeirats im Erzbistum Köln instrumentalisiert fühlten.

Kommission: Zentral bei der Aufarbeitung Gewährleistung von Unabhängigkeit, Transparenz, Vertragssicherheit sowie Beteiligung und Mitsprache von Betroffenen

Zentral bei der Aufarbeitung seien die Gewährleistung von Unabhängigkeit, Transparenz, Vertragssicherheit sowie die Beteiligung und Mitsprache von Betroffenen. Auch zeige die Situation, dass Aufarbeitungsprozesse unabhängig gestaltet sein müssten. Ein gelungener Aufarbeitungsprozess kann nach Ansicht der Kommission dazu beitragen, dass Betroffene sexualisierter Gewalt das in ihrer Kindheit und Jugend erfahrene Unrecht besser bewältigen können und dass die Öffentlichkeit darauf vertrauen kann, dass der Kampf gegen sexuellen Kindesmissbrauch ernsthaft geführt wird.

Die Kommission nahm Anfang 2016 ihre Arbeit auf. Sie soll Ausmaß und Folgen von Kindesmissbrauch in Deutschland untersuchen und ist beim Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung angesiedelt. Grundlage ihrer Einberufung war ein Beschluss des Bundestages. Vorsitzende ist die Frankfurter Familienforscherin Sabine Andresen.

kna

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