Organisation: Weniger Pressefreiheit in Deutschland

Die Pressefreiheit in Deutschland hat sich nach Einschätzung von Reporter ohne Grenzen in der Corona-Pandemie verschlechtert.
Berlin – Die Pressefreiheit in Deutschland hat sich nach Einschätzung von Reporter ohne Grenzen in der Corona-Pandemie verschlechtert. Die Organisation bewertet die Lage nicht mehr als "gut", sondern nur noch als "zufriedenstellend", wie aus ihrer am Dienstag veröffentlichten diesjährigen Rangliste der Pressefreiheit in 180 Ländern hervorgeht. Grund sind die Angriffe auf Journalisten bei Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen.

(Symbolfoto: Andrys Stienstra/pixabay)

Die Pressefreiheit in Deutschland hat sich nach Einschätzung von Reporter ohne Grenzen in der Corona-Pandemie verschlechtert. Die Organisation bewertet die Lage nicht mehr als „gut“, sondern nur noch als „zufriedenstellend“, wie aus ihrer am Dienstag veröffentlichten diesjährigen Rangliste der Pressefreiheit in 180 Ländern hervorgeht. Grund sind die Angriffe auf Journalisten bei Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen.

Im vergangenen Jahr hatte sich Deutschland noch um zwei Plätze auf Rang 11 verbessert, da die Zahl der Angriffe zuvor deutlich gesunken war. Nun ging es wiederum zwei Plätze auf Rang 13 nach unten. 2020 zählte Reporter ohne Grenzen mindestens 65 gewalttätige Angriffe gegen Journalisten im Land, fünf Mal so viele wie 2019. Zudem gehe man von einer höheren Dunkelziffer aus als in den Vorjahren.

Tiefststand bei Pressefreiheit

Statt zuletzt 13 werden damit nur noch 12 Länder als „gut“ eingestuft – ein Tiefststand seit der Einführung einer neuen Methodik im Jahr 2013. Repressive Staaten missbrauchten die Pandemie, um freie Berichterstattung weiter einzuschränken, warnte Reporter ohne Grenzen. Und auch gefestigte Demokratien täten sich in der Krise schwer, sicherzustellen, dass Journalisten ihre Arbeit machen können.

In 73 der untersuchten Länder werde unabhängiger Journalismus weitgehend oder vollständig blockiert, in 59 weiteren ernsthaft behindert, hieß es weiter. Damit sei die Pressefreiheit in fast drei Viertel der Länder der Welt zumindest bedeutend eingeschränkt.

Skandinavische Länder liegen auf Spitzenplätze

Wie in den vergangenen Jahren machen die skandinavischen Länder die Spitzenplätze der Rangliste unter sich aus: Norwegen liegt zum fünften Mal in Folge ganz vorn. Nach Finnland, Schweden und Dänemark folgt Costa Rica. Auch am Ende der Liste hat sich wenig getan: China verharrt auf Platz 177. Noch dahinter folgen mit Turkmenistan, Nordkorea und Eritrea drei totalitäre Regime, die seit Jahren die letzten drei Plätze belegen.

Für die aktuelle Rangliste befragte Reporter ohne Grenzen zwischen Mitte Dezember 2020 und Ende Januar 2021 Journalisten, Wissenschaftler, Juristen und Menschenrechtler in den jeweiligen Ländern. Zudem bezog die Organisation die Zahlen von Gewalttaten und Haftstrafen gegen Medienschaffende ein.

kna
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