Theologe: Slowakischer Widerstand gegen Reformkurs des Papstes

Die Stimmung in der katholischen „Mainstreamkirche“ in der Slowakei ist für Papst Franziskus bei weitem nicht so feurig, wie sie es für Johannes Paul II. war.
Salzburg/Trnava – Die Stimmung in der katholischen "Mainstreamkirche" in der Slowakei ist für Papst Franziskus bei weitem nicht so feurig, wie sie es für Johannes Paul II. war. Das betont der slowakische Pastoraltheologe Jozef Zuffa im Interview der österreichischen Kirchenzeitungen. Er begründete das im Vorfeld des Papstbesuches (12. bis 15. September) mit einer Art kirchlicher Monokultur, die noch von der Zeit des Kommunismus geprägt sei. Der Erneuerungskurs des Papstes stoße auf Widerstand.

Papst Franziskus –Foto: © Edips – Dreamstime.com

Die Stimmung in der katholischen „Mainstreamkirche“ in der Slowakei ist für Papst Franziskus bei weitem nicht so feurig, wie sie es für Johannes Paul II. war. Das betont der slowakische Pastoraltheologe Jozef Zuffa im Interview der österreichischen Kirchenzeitungen. Er begründete das im Vorfeld des Papstbesuches (12. bis 15. September) mit einer Art kirchlicher Monokultur, die noch von der Zeit des Kommunismus geprägt sei. Der Erneuerungskurs des Papstes stoße auf Widerstand. Zuffa verwies auf eine repräsentative Umfrage nur unter katholischen Slowaken von 2019, welchem der letzten drei Päpste sie sich am nächsten fühlten. 65 Prozent nannten Johannes Paul II., 5 Prozent Benedikt XVI. und knapp 20 Prozent Franziskus. Franziskus stehe für Erneuerung. „Seine Prioritäten bringen unsere selbstgebaute Stabilität ins Wanken, wenn man sie ernst nimmt. Viele Priester zeigen offen, dass sie mit ihm nicht einverstanden sind“, so Zuffa. Trotzdem freuten sich natürlich auch viele in der Kirche auf den Besuch des Kirchenoberhaupts.

Obwohl seit der „Samtenen Revolution“ über 30 Jahre vergangen sind, spiele die kommunistische Vergangenheit des Landes eine Rolle. Zuffa: „Die Kirchen haben in kommunistischer Zeit gegen einen klaren Feind gekämpft, nämlich das Regime. Sie haben diesen Kampf so verinnerlicht, dass der Kampf gegen einen Feind bis heute identitätsstiftend ist.“ Der Kampf richte sich nun gegen die „westliche Welt“, so der Theologe: „Trotz der EU haben wir es nicht geschafft, einen gemeinsamen kirchlichen Raum zu bilden.“ Das Flüchtlingsjahr 2015 sei symptomatisch gewesen, analysiert Zuffa. Es habe sehr lange gedauert, bis die slowakische Kirche ihre Position gefunden und nicht nur über die „Gefahr“ gesprochen habe, sondern auch merkte, „dass der faire Umgang mit Fremden ein Anliegen der Kirche ist und dass es sich hier um Menschen handelt, die in Not sind“. Man habe sowohl im Staat als auch in der Kirche Politik mit den Flüchtlingen gemacht, so Zuffa: „Die Öffentlichkeit blickte nur auf die Gefahr, und die Kirche machte lange mit.“

Zwei zentrale Themen im slowakischen „Kulturkampf“ seien zudem Abtreibung und Homosexualität. Das Muster der Kirche in diesen Fragen sei: „Es gibt Feinde, und wir haben die Wahrheit.“ Die „westliche Welt“ habe eine Ideologie ausgedacht, die sogenannte Gender-Ideologie. Das sei sehr oft Thema in Predigten. Viele Gläubige seien zwar nicht zufrieden mit dem kirchlichen „Mainstream“, aber sie kennten keine alternativen Denkmuster. Die Kirche habe eine so starke innere Kultur aufgebaut, „dass es keinen Raum gibt für innerkirchlichen Austausch zwischen Meinungen“. Die Monokultur der Kirche fördere Extreme, warnt der Pastoraltheologe. Die Suche nach neuen Antworten sei mit Papst Franziskus verbunden, sie gehöre aber eben nicht zum Verständnis des „Mainstream-Katholizismus“. Zuffa: „Es wird also noch dauern bis zu einer Wende.“ Die zivile Gesellschaft habe unterdessen Entwicklungsschritte gemacht, die in der Kirche noch ausstünden; und zwar auch in Kernthemen der Kirche wie Solidarität oder Nächstenliebe. – Zuffa lehrt Pastoraltheologie an der Universität Trnava (Tyrnau).

kna
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