Bischof Meier spricht vor laufender Kamera mit Missbrauchsopfern

Der Augsburger Bischof Bertram Meier hat vor laufender TV-Kamera mit Missbrauchsopfern gesprochen.
Der Augsburger Bischof Bertram Meier hat vor laufender TV-Kamera mit Missbrauchsopfern gesprochen. Im Rahmen eines Recherche-Projekts der "Augsburger Allgemeinen" (Dienstag) mit dem ARD-Politikmagazin "report München" traf Meier am vergangenen Freitag im Augsburger Ulrichshaus rund eine Stunde mit zwei ehemaligen Heimkindern von "Haus Maffei" im oberbayerischen Feldafing zusammen.

Bischof Bertram Meier (Foto: pba)

Der Augsburger Bischof Bertram Meier hat vor laufender TV-Kamera mit Missbrauchsopfern gesprochen. Im Rahmen eines Recherche-Projekts der „Augsburger Allgemeinen“ (Dienstag) mit dem ARD-Politikmagazin „report München“ traf Meier am vergangenen Freitag im Augsburger Ulrichshaus rund eine Stunde mit zwei ehemaligen Heimkindern von „Haus Maffei“ im oberbayerischen Feldafing zusammen.

Das Gespräch mit Robert Waldheim (69) und Martha Stark (64) – die Namen wurden von den Redaktionen geändert – wurde nicht moderiert und vor nur wenigen Anwesenden aufgezeichnet, wie es heißt. Beide machten dem Heimpersonal, aber auch dem einstigen, längst gestorbenen katholischen Pfarrer von Feldafing, das zum Bistum Augsburg gehört, schwere Vorwürfe. Er habe sie in den 1960er-Jahren brutal missbraucht. Sie seien überdies an andere Geistliche weitergereicht worden. Es habe ein „pädophiles Netzwerk“ am Starnberger See gegeben.

Meier sagte zu den Betroffenen, dass er ihnen glaube: „Ich kenne Sie, Frau Stark und Herr Waldheim, noch zu wenig, aber ich habe von meiner Warte die ganze Causa in Feldafing die letzten Monate mitverfolgt. Mich hat es sehr bewegt.“ Meier betonte, er werde alles tun, um die Struktur der Kirche so zu ändern, dass solche Dinge nicht mehr vorkämen. Es sei erschreckend, welche Abgründe sich in Reihen der katholischen Kirche auftun können – „auch bei manchen Persönlichkeiten der Kirche, die man sozusagen von außen ganz anders gesehen hat und auch anders kommuniziert worden ist, wie die sind“.

Zugleich bat der Bischof die beiden ehemaligen Heimkinder um Entschuldigung: „Ich kann für die Kirche sagen: Das tut mir sehr, sehr leid. Aber ich bin zeitlich und räumlich natürlich nicht nah an der Villa Maffei gewesen.“ Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern als ehemaliger Träger hatte Mitte November 2021 eine unabhängige Vorstudie zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und Misshandlungen im ehemaligen Sonderschul-Kinderheim „Haus Maffei“ veröffentlicht.

Die aus Augsburg stammende Professorin für Pädagogik in der Sozialen Arbeit an der Katholischen Stiftungshochschule München, Campus Benediktbeuern, Annette Eberle, war damit beauftragt worden. Bei ihren Recherchen hätten sich „alle bisherigen Hinweise auf Misshandlungen und sexualisierte Gewalt seitens Betroffener wie auch dokumentierte Beschwerden bestätigt“, sagte Eberle in einem Interview mit der „Augsburger Allgemeine“ im Dezember 2021. Belege für ein Missbrauchsnetzwerk habe sie noch nicht gefunden.

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