ifo-Institut: Ethikunterricht verringert Religiosität

Die Einführung von Ethikunterricht als Alternative zum Religionsunterricht hat laut Studie des ifo-Instituts die Religiosität von Schülern im Erwachsenenalter verringert.
München – Die Einführung von Ethikunterricht als Alternative zum Religionsunterricht hat laut Studie des ifo-Instituts die Religiosität von Schülern im Erwachsenenalter verringert. Gleichzeitig habe sie traditionelle Geschlechterrollen zurückgedrängt und die Arbeitsmarktbeteiligung und Löhne erhöht, teilte das Institut am Dienstag in München mit. "Neben allgemeiner Religiosität nahm auch die Wahrscheinlichkeit ab, am Gottesdienst teilzunehmen, zu beten oder Mitglied einer Kirche zu sein", so ifo-Forscher Ludger Wößmann. Diese Folgen seien vor allem in katholischen Regionen zu beobachten.

((Symbolfoto: Taken /Pixabay)

Die Einführung von Ethikunterricht als Alternative zum Religionsunterricht hat laut Studie des ifo-Instituts die Religiosität von Schülern im Erwachsenenalter verringert. Gleichzeitig habe sie traditionelle Geschlechterrollen zurückgedrängt und die Arbeitsmarktbeteiligung und Löhne erhöht, teilte das Institut am Dienstag in München mit. „Neben allgemeiner Religiosität nahm auch die Wahrscheinlichkeit ab, am Gottesdienst teilzunehmen, zu beten oder Mitglied einer Kirche zu sein“, so ifo-Forscher Ludger Wößmann. Diese Folgen seien vor allem in katholischen Regionen zu beobachten.

Der Rückgang an Religiosität ging demnach mit weitreichenden Folgen für Familien und Arbeitsmarkt einher. „Nach der Einführung des Ethikunterrichts wurden traditionelle Einstellungen zur Aufgabenverteilung der Geschlechter und zur Notwendigkeit der Ehe zurückgedrängt“, erklärt ifo-Forscher Benjamin Arold. Dies schlage sich nieder in der Zahl von Ehen (−1,5 Prozentpunkte) und Geburten (−0,1 Kinder). Dafür seien Arbeitsmarktbeteiligung (+1,5 Prozentpunkte), Arbeitszeiten (+0,6 Wochenstunden) und Lohnniveau (+5,3 Prozent) gestiegen.

Hingegen beeinflusste die Unterrichtsreform nach Meinung der Wissenschaftler nicht die Lebenszufriedenheit oder ethisches Verhalten wie etwa ein ehrenamtliches Engagement. Die Einführung der Wahlmöglichkeit zwischen Religions- und Ethikunterricht sei also „nicht auf Kosten allgemeiner ethischer Einstellungen“ gegangen, so Forscherin Larissa Zierow.

Grundlage waren den Angaben zufolge Umfragedaten von mehr als 58.000 Erwachsenen, die zwischen 1950 und 2004 in Westdeutschland eingeschult wurden. Die westdeutschen Bundesländer ersetzten den verpflichtenden Besuch von Religionsunterricht zu unterschiedlichen Zeitpunkten durch eine Wahlmöglichkeit zwischen Religions- und Ethikunterricht – von 1972 in Bayern bis 2004 in Nordrhein-Westfalen. Vor der Reform war der verpflichtende Religionsunterricht „sehr intensiv“, schreibt ifo; über die gesamten Schulzeit umfasste er demnach rund 1.000 Unterrichtsstunden, etwa viermal so viel wie der Physikunterricht.

Die Forscher haben die Auswirkungen des Ethikunterrichts auf die Religiosität laut Institut von der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung getrennt betrachtet. Sie verwenden demnach eine Methode, die ausnutze, dass die westdeutschen Bundesländer die Reform zu verschiedenen Zeitpunkten einführten. So betrachten sie verschiedene Altersgruppen innerhalb eines Bundeslandes. Die Älteren gingen unter der alten und die Jüngeren unter der neuen Regelung zur Schule. Den Unterschied in der Religiosität dieser Altersgruppen vergleichen sie mit den Unterschieden zwischen den gleichen Altersgruppen in anderen Bundesländern, bei denen es zu dem jeweiligen Zeitpunkt keine Reform gab.

kna

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