Synodaler Weg überwindet Krise und stimmt für Reform-Papiere

Nach einer schweren Krise hat der deutsche Synodale Weg am Freitag in Frankfurt seine vierte Vollversammlung fortgesetzt und drei wichtige Reformtexte beschlossen. 
Frankfurt – Nach einer schweren Krise hat der deutsche Synodale Weg am Freitag in Frankfurt seine vierte Vollversammlung fortgesetzt und drei wichtige Reformtexte beschlossen. Ein Text zu "Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche" fand nach langer Debatte am Freitagabend bei der in Frankfurt tagenden Synodalversammlung eine Zustimmung von 92 Prozent. Auch unter den Bischöfen fand der Text eine breite Mehrheit. Von 62 anwesenden Bischöfen stimmten 45 mit Ja.

Bischof Dr. Georg Bätzing und Dr. Irme Stetter-Karp begrüßen das positive Ergebnis der Abstimmung über den Grundtext „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“. –Foto: Synodaler Weg/Maximilian von Lachner

Nach einer schweren Krise hat der deutsche Synodale Weg am Freitag in Frankfurt seine vierte Vollversammlung fortgesetzt und drei wichtige Reformtexte beschlossen. Ein Text zu „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“ fand nach langer Debatte am Freitagabend bei der in Frankfurt tagenden Synodalversammlung eine Zustimmung von 92 Prozent. Auch unter den Bischöfen fand der Text eine breite Mehrheit. Von 62 anwesenden Bischöfen stimmten 45 mit Ja.

Im weiteren Verlauf votierte die Versammlung für eine lehramtliche Neubewertung von Homosexualität in der katholischen Kirche. Niemandem dürfe die Übernahme kirchlicher Ämter oder der Empfang der Priesterweihe wegen ihrer Homosexualität verwehrt werden.

Weiter heißt es in dem Papier, das am Freitagabend von der Vollversammlung des Synodalen Weges in Frankfurt mit 92,4 Prozent Mehrheit und auch mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit der Bischöfe beschlossen wurde: „Homosexualität ist keine Krankheit.“ Deshalb seien sogenannte Konversionstherapien abzulehnen.

„Die aus der bisherigen Sexuallehre der Kirche entstandene Tabuisierung und Angstbesetztheit des Themas Sexualität im Allgemeinen und Homosexualität im Speziellen sind systemische Ursachen der Missbrauchsverbrechen in der Kirche, da in vielen Fällen dadurch die Entwicklung einer reifen Sexualität behindert oder verhindert wird.“

Ferner verabschiedete die Vollversammlung mit 95,6 Prozent Mehrheit ein Papier, das sich gegen arbeitsrechtliche Sanktionierung von wiederverheirateten Geschiedenen oder schwulen und lesbischen Paaren ausspricht. „Der persönliche Familienstand darf keine Relevanz für die Anstellung oder die Weiterbeschäftigung im kirchlichen Dienst haben“, heißt es wörtlich. Drei Bischöfe stimmten gegen den Text.

Die Stoßrichtung des Papiers deckt sich mit den aktuellen arbeitsrechtlichen Reformbestrebungen der katholischen Bischöfe in Deutschland. Im Entwurf der Bischöfe für eine neue „Grundordnung des kirchlichen Dienstes“ heißt es unter anderem, die private Lebensgestaltung, „insbesondere Beziehungsleben und Intimsphäre“ der Beschäftigten, solle keinen Anlass mehr für Kündigungen bieten, falls diese nicht im Einklang mit der kirchlichen Lehre stehe.

Die Kirchen in der Bundesrepublik haben ein eigenes Arbeitsrecht. Dieses Selbstbestimmungsrecht ist im Grundgesetz verankert. In der katholischen Kirche gehören dazu auch Anforderungen an die private Lebensführung der 790.000 Mitarbeiter von Caritas und Kirche.

Zuvor hatte die Versammlung am Freitagvormittag nach einem Eklat vom Vorabend wieder Tritt gefasst. Einige Delegierte, die am Donnerstagabend unter Protest ausgezogen waren, nahmen wieder teil. Als Ko-Präsident der Synodalversammlung rief der Bischofskonferenz-Vorsitzende, Bischof Georg Bätzing, die Teilnehmer auf, zusammen zu bleiben. Ko-Präsidentin Irme Stetter-Karp vom katholischen Laien-Dachverband ZdK deutete an, dass ihre Organisation den gemeinsamen Weg mit den Bischöfen verlassen könnte, falls diese ihr Verhalten nicht änderten.

Der am Freitagnachmittag angenommene Text, der Frauen in der Verkündigung und in der Kirchenleitung eine stärkere Stellung eröffnen könnte, drohte zunächst an der Sperrminorität der Bischöfe zu scheitern. Die Debatte gab den Gegnern des Textes deutlich mehr Raum als die Debatte am Vortag, die mit einem Scheitern der Vorlage zum Thema Sexualmoral geendet hatte. Zudem wurde der Text zur Gleichstellung der Frauen in der Kirche auf Vorschlag von Bischof Bätzing so geändert, dass er nicht als verbindlicher Beschluss, sondern als Vorschlag zur Prüfung durch den Papst verstanden werden konnte.

Auch dies trug zur Überbrückung von Gegensätzen bei. Der Riss durch die Synodalversammlung war nach dem Eklat vom Vortag zwischenzeitlich so tief gewesen, dass einige Teilnehmer vorschlugen, die gemeinsame Eucharistiefeier am Freitagmittag aus dem Programm zu nehmen. Auslöser der schweren Krise war am Donnerstagabend das Scheitern des Grundsatzpapiers zur Liberalisierung der katholischen Sexualmoral. 27 der 60 anwesenden Bischöfe hatten dem Text ihre Zustimmung verweigert, 33 stimmten ihm zu.

Von Ludwig Ring-Eifel (KNA)