Papst beschwört Weltgemeinschaft in der Corona-Krise

Papst Franziskus hat sich in der Corona-Pandemie mit eindringlichen Appellen an die Weltöffentlichkeit und die Katholiken gewandt. Den Sonntag rief er als einen „Tag der Tränen“ aus. Konfliktparteien weltweit bat er um eine sofortige Waffenruhe, damit die internationale Gemeinschaft geeint gegen das Virus vorgehen könne. Bereits am Freitagabend hatte das Kirchenoberhaupt in einer einzigartigen Geste den Segen „Urbi et orbi“ erteilt und die Menschen zum Zusammenhalt aufgerufen.

Papst Franziskus (Foto: © Edips – Dreamstime.com)

Die Pandemie habe die Verwundbarkeit der Gesellschaft aufgedeckt, sagte der Papst am Freitag. Ungeachtet sozialer und ökologischer Krisen habe die Menschheit „unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben würden“. Jetzt sei klar geworden, „dass wir alle im selben Boot sitzen, alle schwach und orientierungslos sind, aber zugleich wichtig und notwendig“.

Stopp aller Kampfhandlungen gefordert

In einem Aufruf am Sonntag stellte sich Franziskus hinter die Forderung von UN-Generalsekretär Antonio Guterres nach einem sofortigen Stopp aller Kampfhandlungen. Dieser solle die Schaffung von Korridoren für humanitäre Hilfe, Diplomatie und Aufmerksamkeit für besonders Schutzbedürftige ermöglichen, sagte er per Video. Besorgt äußerte sich der Papst über eine unkontrollierte Ausbreitung des Coronavirus in überfüllten Gefängnissen.

Zuvor mahnte Franziskus katholische Christen, die von der Pandemie Betroffenen in ihrem Leiden nicht allein zu lassen. Wörtlich sprach er in einem Gottesdienst von einem „Sonntag der Tränen“. Jesus selbst habe sich angesichts von Krankheit und Tod eines Freundes nicht geschämt zu weinen, und er weine auch jetzt. Franziskus erinnerte an Menschen in Quarantäne, einsame Alte und Patienten, aber auch Eltern, die nicht mehr das Geld für die Ernährung ihrer Kinder hätten. Die Messe, an der nur wenige enge Mitarbeiter des Papstes teilnahmen, wurde im Internet übertragen.

„Balsam für uns alle in einem Moment des Leidens“

Am Samstag empfing Franziskus Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi in Privataudienz. Über Inhalte wurde nichts bekannt. Raggi nannte in einem Tweet die Worte des Papstes bei der Segensfeier am Freitag „Balsam für uns alle in einem Moment des Leidens“. Rom vereine sich mit seinem Gebet. „Rudern wir gemeinsam in diesem Sturm, denn keiner rettet sich allein“, schrieb die Politikerin der Fünf-Sterne-Bewegung.

Ebenfalls Samstag bestätigte der Vatikan zwei weitere Corona-Infektionen auf nunmehr offiziell insgesamt sechs. Weder der 83-jährige Papst noch seine engsten Mitarbeiter seien von den Ansteckungen betroffen, hieß es. Man habe 170 Personen getestet.

Keine Bilder von der Kommunionausteilung

Während in Italien öffentliche Gottesdienste ausgesetzt sind, feierte Kardinal Angelo Comastri am Sonntag im Petersdom eine Messe mit zahlreichen Teilnehmern. In seiner Predigt beklagte der 76-Jährige, der Gedanke an den Tod werde heute in einem frenetischen Streben nach Vergnügung verdrängt.

Nachdem in den vergangenen Wochen Videos kursierten, wie Comastri ungeachtet der Schutzempfehlungen gegen das Virus weiterhin die Mundkommunion praktiziert, zeigte das Vatikanfernsehen am Sonntag keine Bilder von der Kommunionausteilung, sondern blendete das Fenster über dem Hauptaltar ein.

Von Burkhard Jürgens (KNA)
Werbung
Werbung