Corona: Besondere Rolle für St. Josef-Hospital in Gelsenkirchen?

Dem St.-Josef-Hospital in Gelsenkirchen-Horst könnte wegen der anhaltenden Corona-Pandemie eine neue Bedeutung zuwachsen. Ein Planungsszenario der Stadt und der drei örtlichen Krankenhausbetreiber sieht vor, hier zusätzliche Bettenkapazitäten zu schaffen – für leichtere bis mittlere Krankheitsverläufe. Sie sollen nach Angaben der Stadt dann belegt werden, wenn die anderen Krankenhäuser ihre Kapazitäten erschöpft haben.

KKEL, St.-Josef-Hospital, Gelsenkirchen-Horst (Foto: Spernol)

„Wir glauben, dass wir damit insgesamt einen guten und tragfähigen Plan haben, um für den weiteren Fortgang der Corona-Pandemie gewappnet zu sein. Wir sind froh, dass wir mit unseren Krankenhäusern verlässliche Partner in der Stadt haben, mit denen wir eine gute Lösung erarbeitet haben“, sagt der Gelsenkirchener Gesundheitsdezernent Luidger Wolterhoff.

Zentrum für Altersmedizin

Das St. Josef Hospital stand vor zwei Jahren bereits vor dem völligen Aus, war dann aber von der St. Augustinus Gelsenkirchen GmbH durch eine Übernahme gerettet worden. Bis 2025 sollte hier nun ein Zentrum für Altersmedizin entstehen, weshalb die Zahl der belegten Betten, zumal im Zeichen der allgemeinen restriktiven Krankenhausplanung des Landes NRW, hier bereits mehr als halbiert wurde.

Bereits seit der vorangegangen Woche sind in den Gelsenkirchener Häusern alle „nicht zwingend notwendigen Operationen“ ausgesetzt, so Wolterhoff. Deshalb stünden zurzeit ausreichend Kapazitäten an Intensivbetten und Beatmungsplätzen zur Verfügung. „Wir sind in der Lage, mit den vorhandenen Kapazitäten der Krankenhäuser und Feuerwehr 134 Beatmungsplätze in Gelsenkirchen vorzuhalten“, erklärt Klaus Mika, Leiter des Referats Gesundheit der Stadt. „Damit können wir die Zahl der stationären Behandlungskapazitäten in der Stadt verdoppeln.“ Diese zusätzlichen Kapazitäten bestehen in vier der zurzeit noch sechs Krankenhäuser im Stadtgebiet: im St. Marien-Hospital Buer, im Marienhospital Ückendorf, im Bergmannsheil Buer und in den Evangelischen Kliniken in der Gelsenkirchener Altstadt.

Mehr als 700 Menschen in Quarantäne

Wolterhoff weist darauf hin, dass bislang die bisherige Kapazität an Intensivbetten und Beatmungsplätzen bei weitem noch nicht ausgelastet gewesen sei. „Das alles dient derzeit der Vorbereitung auf den weiteren Verlauf der Pandemie, von dem wir alle noch nicht wissen, wie heftig oder womöglich doch abgeschwächt er wird“, betont Wolterhoff.

Bis Sonntagmorgen (Stand: 8.30 Uhr) waren 91 aktuelle Fälle von nachgewiesenen Corona-Infektionen in Gelsenkirchen, bekannt geworden. 95 waren es bislang insgesamt, da vier Erkrankte bereits wieder genesen sind. Von den 95 Fällen sind laut Angaben Stadt 74 Menschen unter 60 Jahren, 21 Fälle sind über 60 Jahre alt. Derzeit befinden sich sechs Fälle in stationärer Behandlung. Bis zum Freitagnachmittag (Stand 27. März, 15.30 Uhr) hatte das Gelsenkirchen insgesamt 805 Tests durchgeführt –  705 Menschen sind deshalb zurzeit in Gelsenkirchen unter Quarantäne gestellt.

Fokussierung auf einen Krankenhausstandort?

Die St. Augustinus Gelsenkirchen GmbH hatte zunächst die Idee ins Gespräch gebracht, das St. Josef-Hospital sogar als einziges spezialisiertes Corona-Zentralkrankenhaus für Gelsenkirchen, aber auch für Gladbecker Patienten einzurichten. Das Unternehmen betreibt in Gladbeck das St. Barbara Hospital – das einzige Krankenhaus in dieser Stadt. Mit der Fokussierung auf einen Krankenhausstandort könne die geordnete Behandlung der Corona-Patienten bei gleichzeitiger Entlastung der anderen Krankenhäuser besser kanalisiert werden, hieß es.

Diese Idee sei aber laut St.-Augustinus-Sprecher Wolfgang Heinberg, der von einer gemeinsamen Abstimmung der einzelnen Krankenhausträger sprach, „noch nicht durch die Aufsichtsbehörden im Land genehmigt und abgesichert“. Damit aber fehle „die für ein solches Projekt notwendige finanzielle und administrative Unterstützung“. Nun gibt es offenbar nur trägerscharfe Planungen.

spe
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