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Theologe Kranemann kritisiert Eucharistie-Fixiertheit

Der katholische Theologe Benedikt Kranemann hat im Zuge der Wiederzulassung von Gottesdiensten eine „Eucharistie-Fixiertheit“ beklagt. „Alternative Formen wie digitale Wortgottesdienste, Hausgottesdienste, Verknüpfungen von Musik und Gebet, Anregungen fürs persönliche Gebet – in den vergangenen Wochen sind viele kreative Formate entwickelt und erprobt worden, die dürfen mit der Lockerung des öffentlichen Gottesdienstverbots nicht wieder unter den Tisch fallen“, forderte der an der Universität Erfurt lehrende Liturgiewissenschaftler am Mittwoch. Die Diskussion darüber, wie solche Alternativen zu stärken seien und Pluralität zu etablieren sei, werde viel zu wenig geführt. „Der Drang bei Kirchenverantwortlichen ist sehr stark, möglichst schnell zur Eucharistie zurückzukehren.“

(Symbolfoto: Spernol)

Zugleich betonte er: „Es geht natürlich nicht darum, etwas gegen Eucharistie zu sagen, sondern um die Frage: Was ermöglicht in der aktuellen Situation eine möglichst große Mitfeier?“ Er sehe in den Schutzkonzepten und Leitlinien der Bistümer durchaus den Versuch, in der Corona-Krise einen gangbaren Weg zu finden, so Kranemann. Problematisch sei aber die geringe Zahl der Teilnehmenden an den nun wieder unter Auflagen zugelassenen Gottesdiensten und die Auswahl, wer teilnehmen dürfe. „Auch Charakteristika der Eucharistiefeier, wie eine möglichst aktive Einbindung der Gläubigen und Elemente der Gemeinschaftlichkeit, sind kaum möglich, und das macht es aus theologischer Sicht problematisch.“ Er verwies etwa auf das Wegfallen von Gesang, Friedensgruß oder dem sogenannten Kommunion-Dialog beim Empfang der Hostie.

„Es ist in der Tat eine unbequeme Situation“, so Kranemann, „aber die Möglichkeit, sich jetzt der Diskussion nach alternativen und digitalen Gottesdienstformen stellen zu müssen, die sollte man nicht verspielen.“ Gleichzeitig stelle die Digitalisierung die Theologie auch vor neue Herausforderungen: „Einfaches Beispiel: Wenn ein Priester das Evangelium vom Tablet abliest und das womöglich auch noch küsst, dann funktioniert meines Erachtens der Ritus nicht mehr.“ Es stellten sich auch neue Fragen nach Präsenz, etwa ob Sakramente wie die Beichte auch via Videochat möglich sein können. „Da sind wir sehr schnell bei grundlegenden theologischen Fragen, die neu diskutiert werden müssen und für die es Qualitätsstandards braucht“, betonte Kranemann.

kna
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