Essens Generalvikar wünscht sich klare Worte gegen Aufruf

Der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus Pfeffer, wünscht sich mehr deutliche Worte gegen einen Text hoher Kirchenmänner zur Corona-Krise. Er habe sich zwar über die klare Positionierung von Essens Bischof Franz-Josef Overbeck und die vorsichtige Distanzierung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, gefreut. „Davon abgesehen hält sich der Widerspruch aber in Grenzen“, sagte Pfeffer im Interview dem Magazin „Spiegel“ (Online, Sonntagabend).

(Foto: Nicole Cronauge | Bistum Essen)

Eine Gruppe um die Kardinäle Gerhard Ludwig Müller und Joseph Zen Ze-kiun hatten zusammen mit Erzbischof Carlo Maria Vigano eine Warnung veröffentlicht, nach der die Corona-Pandemie genutzt werden solle, um eine Weltregierung zu schaffen, „die sich jeder Kontrolle entzieht“. Der Ruhr-Generalvikar kritisierte: „Das sind krude Verschwörungsmythen, es werden keine Fakten und Belege präsentiert.“ Pfeffer erkenne in dem Text eine Nähe zu Rechtspopulisten und auch zu den Anti-Corona-Demonstrationen. Diese Thesen würden „nun in ein religiöses Gewand gehüllt“. Es sei erschreckend und gefährlich, dass hochrangige Vertreter der katholischen Kirche so etwas verbreiteten. „Es macht mich fassungslos.“

„Ganz viele normale Katholiken sind entsetzt“

Pfeffer erklärte zudem: „Ganz viele normale Katholiken sind entsetzt. Sie setzen sich jeden Tag dafür ein, die Pandemie einzudämmen und die Probleme zu bewältigen, die aus ihr entstehen. Und nun bekommen sie so einen Aufruf vorgesetzt.“ Die breite Mehrheit der Gläubigen tragen seinem Eindruck nach die Maßnahmen der Regierung mit. Der Ruf nach Lockerungen sei zwar rund um das Osterfest lauter geworden, aber er sei nie massiv gewesen. „Deshalb überrascht es mich, dass diese Verschwörungstheorien nun offenbar in kirchlichen Kreisen aber auch in Teilen der Gesellschaft insgesamt Zuspruch finden“, so der Generalvikar.

Er glaube nicht, dass die katholische Kirche ein generelles Problem habe. „Nun aber zeigt sich, dass der eine oder andere abrutscht und sich von vernünftigen Argumenten verabschiedet. Das ist schon heftig“, so Pfeffer, der am Wochenende bereits bei Facebook Kritik an dem Aufruf übte.  Auch der Bischofskonferenz-Vorsitzende hatte am Wochenende der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) gesagt, die Bewertung der Corona-Pandemie durch die Konferenz unterscheide sich grundlegend von dem veröffentlichten Aufruf.

kna
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