Bischof Bätzing: Corona könnte Kirchenkrise beschleunigen

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, befürchtet, dass die Corona-Zeit „krisenhafte Phänomene“ in der Kirche beschleunigen könnte. „Die Gottesdienste könnten noch leerer werden, die Plausibilität des christlichen Welt- und Menschenbildes könnte noch heftiger einbrechen“, sagte der Limburger Bischof in seiner Predigt am Pfingstsonntag. „Die Gottesfrage könnte in der Öffentlichkeit noch mehr verstummen und ins Private abgedrängt werden“, fügte er hinzu. Die gegenwärtige Krisenzeit verschärfe „die Zeitansage an die Kirche“, so Bätzing im Limburger Dom laut Predigtmanuskript.

Georg Bätzing (Foto: Bistum Limburg)

Die Frage, ob Kirche und Religion „systemrelevant“ seien, sei in den zurückliegenden Wochen öfter gestellt worden. „Dass die politisch Handelnden über längere Strecken bei ihren Überlegungen die Religionsgemeinschaften oft schlichtweg außen vor ließen, das hat mich nachdenklich gemacht“, sagte der seit März amtierende Vorsitzende der Bischofskonferenz. Dass die Kirche „in den Grundvollzügen der Seelsorge weiterhin erheblich eingeschränkt“ sei, bereite ihm Sorge – trotz der „erstaunlichen Breite“ medialer kirchlicher Angebote.

Bätzing: „Türen auf und hinaus“

Die Corona-Zeit lege nahe, „dass wir ein neues Kapitel des Christseins mitschreiben“, sagte Bätzing. „Türen auf und hinaus.“ Auch die ersten Apostel hätten „ihr Obergemach“ verlassen und sich der Öffentlichkeit gestellt. Wenn Christen nicht bereit seien, ihre kirchlichen Binnenräume zu verlassen, „dann bestätigt sich die Kirche als fad und schal, als Salz ohne Geschmack, das den Menschen in Nöten und Abgründen keinen Trost und keine Hoffnung zu geben vermag“.

Bätzing warnte zugleich vor aufrührerischen kirchlichen Aktionen: „Suchen wir Feuer, Sturm und Tumult, möglichst große Menschenansammlungen und Aktionen? Mir scheint, der Geist Jesu Christi weist andere Wege.“ Bätzing sagte: „Wer als Christ hart, unduldsam und lieblos auftritt und damit meint, die Wahrheit des Glaubens verteidigen zu können, der ist auf dem Holzweg, auch wenn er äußerlich noch so fromm daherkommt.“

„Teils krude Thesen und Forderungen“

Über viele Wochen habe man in Deutschland und vielen anderen Ländern „in einer Art Schockstarre“ gelebt, sagte Bätzing. Mit den Lockerungen hätten nun auch Proteste zugenommen. Er verurteilte „teils krude Thesen und Forderungen“, die „leider sogar in hohen kirchlichen Kreisen Widerhall gefunden“ hätten.

kna
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