Reformdebatte muss Corona und Vatikan trotzen

Der Reformprozess in der katholischen Kirche in Deutschland soll nach dem Willen der Organisation „Wir sind Kirche“ unbeirrt fortgesetzt werden. Weder die Corona-Krise noch die „äußerst irritierende“ Vatikan-Instruktion zu Reformen in katholischen Gemeinden dürften den „dringend notwendigen“ Synodalen Weg „abbremsen oder gar zum Stillstand bringen“, schreibt die Gruppe in einem am Dienstag in München veröffentlichten offenen Brief an alle Teilnehmer. Man wolle dazu ermutigen, „über das zu reden, was wichtig ist. Wir dürfen uns nicht aus der Verantwortung stehlen, in der wir als mündige Christinnen und Christen stehen.“

(Symbolfoto: Synodaler Weg/Malzkorn)

Zu den vier Foren des Synodalen Wegs erklärte „Wir sind Kirche“, diese behandelten Themen, über die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) debattiert werde. Doch würden die in dieser Zeit erzielten theologischen Erkenntnisse größtenteils immer noch ignoriert. „Damit muss jetzt endlich Schluss sein, wenn die in der klerikalen Kirchenstruktur fußenden Krisen überwunden werden sollen.“ – Die Foren heißen: „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche“, „Priesterliche Existenz heute“, „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ und „Leben in gelingenden Beziehungen“.

Synodaler Weg finde international große Beachtung

Weiter teilte „Wir sind Kirche“ mit, der Synodale Weg finde international große Beachtung. Man gehe davon aus, dass die Ergebnisse auch vom Vatikan nicht ignoriert werden könnten – „vor allem dann, wenn auf die Krisen der Gegenwart pastoral verantwortliche und theologisch fundierte Antworten gefunden werden“. Dazu brauche es ein breites Bündnis der Reformkräfte, auch in der Bischofskonferenz. Die coronabedingt vielfach abgehaltenen „Geistermessen“ ohne Gottesdienstbesucher seien „klerikale Selbstdarstellung“, ergänzte die Gruppe. „Gemeinde darf nicht vom Priester her gedacht werden; Kirche ist dort, wo die Menschen sind, nicht wo zufällig ein Priester ist.“

Mit dem Synodalen Weg wollen die deutschen katholischen Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken über die Zukunft kirchlichen Lebens in Deutschland beraten. Die Initiative wird wohl bis Februar 2022 dauern. Die im Juli bekannt gewordene Vatikan-Instruktion „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“ hebt unter Berufung auf das Kirchenrecht stark die Rolle des Pfarrers hervor.

kna
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