Bochum: Pfarreien sagen Gottesdienste ab

In Bochum haben vier katholische Pfarreien entschieden, ihre Gottesdienste an Weihnachten und auch darüber hinaus abgesagt. In drei weiteren Pfarreien sollen die Entscheidungsprozesse bis morgen abgeschlossen sein.
In Bochum haben bereits zwei katholische Pfarreien entschieden ihre Gottesdienste an Weihnachten und auch darüber hinaus abgesagt. In drei weiteren Pfarreien sollen die Entscheidungsprozesse bis morgen abgeschlossen sein.

Pfarrer Thomas Köster. Foto: privat

In der Pfarrei St. Franziskus (Weitmar), werden all Gottesdienste  bis auf weiteres ausgesetzt. Büros und Büchereien sind für Publikumsverkehr geschlossen. Am vierten Adventssonntag (11.30 Uhr), am Heiligen Abend (19.00 Uhr) und am 2. Weihnachtstag (11.30 Uhr) werden Gottesdienste aus der Pfarrkirche im Internet via Youtube übertragen (https://live.psfb.de). Am vierten Adventssonntag (10.00 Uhr) überträgt zudem WDR5 den Radiogottesdienst aus der Kirche St. Engelbert.

Videokonferenz der Gremien der Pfarrei St. Franziskus am Freitagabend

Die Gremien der Pfarrei haben in einer Videokonferenz am 18. Dezember 2020 entschieden, neben den Werktagsgottesdiensten auch die Gottesdienste an den Sonn- und Feiertagen bis auf weiteres auzusetzen – Büros und Büchereien für Publikumsverkehr geschlossen“, so Pfarrer Thomas Köster. „Trotz aller Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie bekommen wir in Deutschland und auch konkret in Bochum aktuell die Entwicklung der Zahlen von Infizierten, Erkrankten und Intensivpatienten noch nicht in den Griff. Im Gegenteil: Heute stiegen die Bochumer Werte erstmals über die Marke von 200 und sind damit höher als in der Zeit vor dem Lockdown. Diese Situation erhöht die Notwendigkeit, zum Schutz von Gesundheit und Leben noch mehr einschränkende Maßnahmen zu ergreifen.“

Die Gremien der Pfarrei hätten deshalb „schweren Herzens entschlossen, die Gottesdienste bis auf weiteres abzusagen“. Das betrifft auch die Gottesdienste an den Weihnachtstagen und auch schon am kommenden 4. Advent. An Gottesdiensten für Livestream- oder Radioübertragung nehmen nur die notwendigen Personen teil, die Gottesdienste sind nicht öffentlich. Angemeldete Gläubige werden soweit möglich informiert. Die Hl. Messen aus der Pfarrkirche St. Franziskus am Sonntag, 4. Advent, 11.30 Uhr, Heiligabend, 19.00 Uhr, 2. Weihnachtstag, 11.30 Uhr, können per Livestream mitgefeiert werden.

WDR5 überträgt Gottesdienst

Am 4. Advent wird darüber hinaus die Hl. Messe aus St. Engelbert im Radio (WDR 5) übertragen. Über weitere gestreamte Gottesdienste nach Weihnachten möchte die Pfarrei „zeitnah“ informieren. „Für Familien und alle Interessierten werden wir in Kürze auf der Homepage der Pfarrei einen Vorschlag für einen häuslichen Gottesdienst zu Weihnachten einstellen.“ Die Kirchen der Pfarrei werden an den Weihnachtstagen für den Besuch Einzelner und das persönliche Gebet geöffnet sein. Auch die Außenkrippe an der Kirche St. Franziskus steht in der Weihnachtszeit bis zum 6. Januar auf dem Kirchvorplatz.

Zu den Öffnungszeiten, die bis Mittwoch noch bekanntgegebne werden, ist an den Kirchorten eine Mitnahme des Friedenslichtes von Bethlehem möglich. Zur Unterstützung der Maßnahmen zur Kontaktminimierung im Lockdown folgt die Pfarrei St. Franziskus einer Empfehlung des Bistums folgen und ab Mittwoch (16.12.2020) auf die Feier von Werktagsgottesdiensten bis auf weiteres verzichten. Etwaige Messintentionen werden verlegt. Das Pfarrbüro, die Gemeindebüros, die Verwaltung sowie die KÖBs der Pfarrei werden für die Zeit des Lockdown für den Publikumsverkehr geschlossen, seien aber erreichbar.

Propstei St. Peter und Paul sagt Gottesdienste ab

„Das Infektionsgeschehen in unserer Stadt und der gesamten Region ist dramatisch und wir sind besonders betroffen durch die vielen Todesfälle und herausgefordert durch 4 große Krankenhäuser und 15 Altenheime in unserer Pfarrei“, so Propst Michael Ludwig. „Nach Abwägung aller Argumente haben wir für die Propsteipfarrei St. Peter und Paul mit allen verantwortlichen Gremien einstimmig entschieden, alle Präsenz-Gottesdienste ab dem kommenden Montag und an den Weihnachtstagen bis mindestens zum 10. Januar abzusagen.“ Er wisse, dass diese Entscheidung unzählige Gläubige enttäuscht, doch der Gesundheitsschutz habe Priorität.

„Wir übernehmen Verantwortung und sehen unsere Entscheidung auch als Zeichen der Solidarität mit den vielen Menschen, die krank sind oder auf Liebgewonnenes verzichten, Kontakte einschränken und bewusst auf Abstand gehen“, so Ludwig. Für die Gläubigen gehe es auch um Planungssicherheit. Er betont: „Wir ziehen uns nicht zurück. Weihnachten ereignet sich und bleibt ein so besonderes Fest.“ Die Kirchen öffnen an Heiligabend und an den Weihnachtstagen viele  Kirchen, „aber leider nicht alle zum persönlichen Gebet und Krippengang“.

Musik-CD der Pfarrei-Chöre prodzuiert

Zudem hat die Pfarrei eine Musik-CD mit Chören der Pfarrei als Geschenk für alle produziert. „Darin ist auch eine Anleitung zu einem Weihnachtsgottesdienst zu finden.“ Die CD sei ab dem Wochenende in allen Kirchen erhältlich. Ludwig empfiehlt die digitalen Formate und die Fernsehgottesdienste. „In unserer Pfarrei haben und werden wir weitere Angebote organisieren.“ Das gelte auch für die Jahresabschlussgottesdienste ab. „Wir planen einige Kirchen zu öffnen am Silvesterabend und Neujahr zur stillen Anbetung. Mit diesen unterschiedlichen Angeboten bleiben wir als Pfarrei ein Willkommensort und hoffen, möglichst vielen Gläubigen entgegen zu kommen.“

Natürlich sei  das nicht „wie immer“, so Ludwig, „aber wir sind davon überzeugt, dass wir verantwortungsvoll entschieden haben – zum Wohle aller Beteiligten. Wir müssen Weihnachten anders feiern. Und trotzdem wird Gott Mensch – mit Sicherheit!“ Allen sei die Tragweite der Entscheidung bewusst sind, umso mehr bitte er um Verständnis. „Gerade die vielen ehrenamtlich Engagierten, die unsere Weihnachtsgottesdienste so liebevoll geplant haben, bitten wir um Nachsicht, wir hoffen, Sie sind uns nicht böse.“

Absage auch in der Pfarrei Liebfrauen

Die Auswertung einer Meinungsabfrage der Pfarreigremien habe eine große Mehrheit für einen Lockdown der Gottesdienste ab dem 21. Dezember ergeben, teilte Pfarrer Pater David Ringel mit. „Viele Mitglieder der Gremien bedauern diesen Schritt, aber die Anzahl der täglichen Neuerkrankungen erzwingt ein rasches Handeln.“ Ab Montag, 21. Dezember 2020, bis voraussichtlich 10. Januar 2021 entfallen demnach alle öffentlichen Gottesdienste in der Pfarrei. Pater David empfiehlt, das Angebot der „offenen Kirche“ weiterzuführen, um auf diese Weise allen Interessierten die Möglichkeit zu Krippengang und Anbetung zu ermöglichen. Er habe gehofft, diese Entscheidung nicht fällen zu müssen – „aber die Situation erfordert es leider“. Welche Angebote die Pfarrei und die Gemeinden alternativ an Weihnachten mache, werde in den nächsten Tagen bekanntgeben.

Absage der Präsenzgottesdienste in St. Gertrud

In einer Videokonferenz haben sich am Sonntag über 30 Vertreter*innen der entscheidenden Gremien darüber beraten, wie in der Pfarrei St. Gertrud mit der Frage nach den Gottesdiensten zu Weihnachten umgegangen werden soll. Die Konferenz sprach sich angesichts der pandemischen Lage einstimmig dafür aus, alle Präsenzgottesdienste zwischen dem 24.12.2020 und dem 10.1. 2021 entfallen zu lassen. Dies teilte die Pfarrei auf ihrer Internetseite. Sie folgt damit dem Beispiel der katholischen Nachbargemeinden in Bochum und der evangelischen Kirchengemeinde in Wattenscheid. Ob es an den Feiertagen Zeiten der ‚Offenen Kirche‘ zum stillen Gebet und zum Besuch der Krippe geben wird, soll in den einzelnen Gemeinden entschieden werden; Informationen dazu wie auch zu digitalen Gottesdienstformaten finden gibt es auf dem Internetauftritt von St. Getrud.

Mit dieser schwierigen Entscheidung ist aber auch ein herzlicher Gruß der Pfarrei St. Gertrud verbunden: „Wir werden uns an diesem Weihnachtsfest nicht, wie gewohnt, sehen können, wir werden das Fest ganz anders als sonst feiern müssen. Aber damit fällt Weihnachten und die Botschaft dieser Tage nicht aus. Gott kommt bei uns Menschen an – gerade jetzt. Bleiben wir beieinander mit kleinen Zeichen und auf anderen Wegen. Und tragen wir die Hoffnung dieses Festes weiter!“

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