Pallottiner schließen einzige Pflege-Fakultät in Deutschland

Die katholische Gemeinschaft der Pallottiner schließt die einzige Fakultät für Pflegewissenschaft in Deutschland.
Vallendar – Die katholische Gemeinschaft der Pallottiner schließt die einzige Fakultät für Pflegewissenschaft in Deutschland. Die Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar (PTHV) könne den Betrieb der Fakultät aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr weiterführen, hieß es am Donnerstag bei einer Online-Pressekonferenz.

(Symbolfoto Gerd Altmann/Pixabay)

Die katholische Gemeinschaft der Pallottiner schließt die einzige Fakultät für Pflegewissenschaft in Deutschland. Die Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar (PTHV) könne den Betrieb der Fakultät aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr weiterführen, hieß es am Donnerstag bei einer Online-Pressekonferenz.

Fakultät soll auslaufen

Pallottiner-Provinzial Helmut Scharler verwies auf den Ausstieg der Marienhaus-Unternehmensgruppe aus dem Hochschulbetrieb Ende 2020. Auch seien zu wenige zahlende Studierende eingeschrieben, und die Zahl der Studenten insgesamt sinke. Die Fakultät mit acht Lehrstühlen ist die einzige für Pflegewissenschaft in Deutschland. Den Angaben zufolge studieren dort aktuell rund 250 Studierende, die ihr Studium auch abschließen können sollen. Neue Studenten werden nicht angenommen. Die Fakultät solle dann in zwei bis drei Jahren schließen.

Provinzial Scharler betonte, die Gemeinschaft habe sich entscheiden müssen: „Entweder sind wir gezwungen, die gesamte Hochschule in ein bis zwei Jahren zu schließen, oder wir trennen uns jetzt von der Pflegewissenschaftlichen Fakultät, wo der Löwenanteil der Ausgaben zu finden ist.“ Es sei nicht gelungen, weitere Gesellschafter oder dauerhafte Geldgeber zu finden.

Hochschule der Pallottiner finanziert sich über Studiengebühren

Als private Hochschule finanziere sich die PTHV hauptsächlich über Studiengebühren, sagte die Geschäftsführerin der PTHV gGmbH, Julia Sander. Die Pflege-Fakultät brauche dazu mindestens 500 zahlende Studierende. Aktuell seien zwar rund 250 Studenten eingeschrieben, allerdings zahlten nur 80 die vollen Studiengebühren von rund 300 Euro pro Monat. Diese Zahlen deutlich zu erhöhen sei nicht realistisch. Höhere Studiengebühren seien mit Blick auf die Verdienstmöglichkeiten in der Pflege nicht angemessen.

Im Januar hatte die PTHV mitgeteilt, zusätzlich zu der bestehenden Fakultät für Theologie eine neue Fakultät für Humanwissenschaften einzurichten. Geplant sei, Studiengänge in den Fächern Psychologie, Psychotherapie, Führung oder Soziale Arbeit zu entwickeln. Damit wolle man auf die Bedürfnisse des Marktes reagieren.

Kritik kam vom Kuratorium Deutsche Altershilfe

Kritik kam vom Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) und der Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB). Der KDA-Vorsitzende Helmut Kneppe forderte eine Beteiligung des Landes Rheinland-Pfalz an der Suche nach einer Lösung. Die Stärkung der Pflegewissenschaften sei dringend notwendig, um die Pflegeberufe attraktiver zu machen und die Pflege zu verbessern. Eine alternde Gesellschaft brauche eine kompetente, engagierte und wissensbasierte Langzeitpflege, betonte auch KDA-Kuratoriumsmitglied Hanno Heil.

Die Schließung sei „ein Alarmzeichen“, erklärte auch die VdPB-Vizepräsidentin Agnes Kolbeck in München. Sie rief dazu auf, die pflegewissenschaftliche Fakultät in Vallendar „doch noch zu retten“. Darüber hinaus müsse die Politik die Akademisierung der Pflege nachdrücklicher vorantreiben. Professionelle Pflege brauche ein wissenschaftliches Fundament, daher müssten an den Hochschulen Fakultäten mit entsprechender Forschung etabliert werden. Die VdPB-Vizepräsidentin schrieb der Fakultät eine „Leuchtturm-Funktion“ zu. Es sei nicht absehbar, wann ein neuer Standort auch nur annähernd den dort etablierten Stand erreicht haben werde.

kna

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