Erzbischof Koch: Amtsverzicht denkbar

Angesichts des sexuellen Missbrauchs in der Kirche stellt sich auch der Berliner Erzbischof Heiner Koch die Frage eines Amtsverzichts.
Angesichts des sexuellen Missbrauchs in der Kirche stellt sich auch der Berliner Erzbischof Heiner Koch die Frage eines Amtsverzichts.

Erzbischof Heiner Koch –Foto: Renovabis

Angesichts des sexuellen Missbrauchs in der Kirche stellt sich auch der Berliner Erzbischof Heiner Koch die Frage eines Amtsverzichts. „Ich bin mit der Antwort noch nicht fertig“, sagte Koch am Donnerstagabend in einer „Online-Sprechstunde“ des Erzbistums Berlin zum Umgang mit Missbrauch.

Bislang versuche er, „mit vielen kleinen Schritten Antwort zu geben im Bleiben“, erklärte der Erzbischof vor rund 20 Teilnehmenden, die sich eigens dazu anmelden mussten. Zugleich betonte er: „Ich weiß nicht, ob das irgendwann umkippt.“ Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, hatte Papst Franziskus aus den gleichen Gründen seinen Amtsverzicht angeboten, den der Papst nicht annahm.

Erzbistum stellt Gutachten ins Internet

Bei der Veranstaltung kündigte Bistumssprecher Stefan Förner an, dass das Erzbistum an diesem Freitag den bisher unveröffentlichten Teil seines Gutachtens über Missbrauch durch Geistliche ins Internet stellt. Es handelt sich um 443 von 669 Seiten des Gutachtens, das die Anwaltskanzlei „Redeker Sellner Dahs“ im Auftrag des Erzbistums zum Thema „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich des Erzbistums Berlin seit 1946“ erstellte. Die bereits veröffentlichten Teile enthalten eine grundsätzliche Analyse der Fälle und Empfehlungen für die Prävention.

Bei der Bekanntgabe des Gutachtens Ende Januar entschied das Erzbistums jedoch, Details der Fälle von 61 beschuldigten Geistlichen und von mindestens 121 betroffenen Kindern und Jugendlichen zunächst nicht zu veröffentlichen, um vorab Fragen des Datenschutzes zu klären. Dies betraf auch die dazu gehörenden Stellungnahmen von Personalverantwortlichen, unter anderem von Koch selbst, seinem Amtsvorgänger und jetzigem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sowie dem amtierenden Weihbischof Matthias Heinrich. Diese Entscheidung stieß über das Erzbistum hinaus auf Kritik.

Kommission eingesetzt

Das Erzbistum setzte jedoch bereits eine Gutachten-Kommission ein, die Einsicht in das komplette Missbrauchsgutachten erhielt und Empfehlungen zu möglichen Konsequenzen für Personalverantwortliche und Strukturen geben soll. Erste Ergebnisse will das Gremium noch vor der Sommerpause vorlegen und seine Arbeit zum Ende des Jahres 2021 abschließen.

kna
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