Theologe Söding weist NS-Vergleich von Kurienkardinal zurück

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Der Bochumer Theologe Thomas Söding übt scharfe Kritik an jüngsten Äußerungen des Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch, der Parallelen zwischen aktuellen kirchlichen Diskussionen und solchen aus der NS-Zeit gezogen hat.
Der Bochumer Theologe Thomas Söding übt scharfe Kritik an jüngsten Äußerungen des Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch, der Parallelen zwischen aktuellen kirchlichen Diskussionen und solchen aus der NS-Zeit gezogen hat. Wörtlich hatte Koch in eine Interview erklärt: „Es irritiert mich, dass neben den Offenbarungsquellen von Schrift und Tradition noch neue Quellen angenommen werden; und es erschreckt mich, dass dies - wieder - in Deutschland geschieht." Und weiter: „Denn diese Erscheinung hat es bereits während der nationalsozialistischen Diktatur gegeben, als die sogenannten ‚Deutschen Christen‘ Gottes neue Offenbarung in Blut und Boden und im Aufstieg Hitlers gesehen haben."

Thomas Söding auf der Abschlusspressekonferenz der dritten Synodalversammlung des Synodalen Weges. –Foto: Synodaler Weg/Maximilian von Lachner

Der Bochumer Theologe Thomas Söding übt scharfe Kritik an jüngsten Äußerungen des Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch, der Parallelen zwischen aktuellen kirchlichen Diskussionen und solchen aus der NS-Zeit gezogen hat. Wörtlich hatte Koch in eine Interview erklärt: „Es irritiert mich, dass neben den Offenbarungsquellen von Schrift und Tradition noch neue Quellen angenommen werden; und es erschreckt mich, dass dies – wieder – in Deutschland geschieht.” Und weiter: „Denn diese Erscheinung hat es bereits während der nationalsozialistischen Diktatur gegeben, als die sogenannten ‚Deutschen Christen‘ Gottes neue Offenbarung in Blut und Boden und im Aufstieg Hitlers gesehen haben.”

Söding: „Vergleiche mit der NS-Zeit sind abwegig“

„Vergleiche mit der NS-Zeit sind abwegig. Mit den Deutschen Christen in einen Topf geworfen zu werden, verbitte ich mir“, sagte Söding dem Neuen Ruhrwort auf Anfrage. Auch inhaltlich übte Söding an Kochs Aussagen Kritik. Der Kurienkardinal hatte in dem Interview seinen NS-Vergleich mit Kritik am Synodalen Weg verbunden, zu dem er sich in der Vergangenheit bereits mehrfach kritisch geäußert hatte. Die Kirche sei zwar verpflichtet, die Zeichen der Zeit ernst zu nehmen, diese seien aber nach seiner Auffassung keine Offenbarungsquellen. Koch warf dem entsprechenden Orientierungstext „Auf dem Weg der Umkehr und Erneuerung“ des Synodalen Weges eine mangelnde Differenzierung vor.

Söding, Mitglied des Synodalpräsidiums, kritisiert die Verkürzung der katholischen Erkenntnislehre, die dem Kurienkardinal bei seiner Kritik unterlaufe. „Wer sich die katholische Kirche als eine Pyramide vorstellt, auf deren Spitze Papst und Bischöfe thronen, hat nicht verstanden, wie sich die katholische Lehre entwickelt“, sagte Söding, der den Lehrstuhl für Neutestamentliche Exegese an der Ruhr-Universität Bochum innehat und Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) ist.

„Koch fällt mit seiner pauschalen Kritik hinter Differenzierung zurück“

„Der Orientierungstext differenziert präzise, Koch fällt mit seiner pauschalen Kritik hinter diese Differenzierung zurück“, sagte Söding. Nur Schrift und Tradition als Offenbarungsquellen zu akzeptieren, entspreche nicht den Standards katholischer Theologie. „Katholische Theologie ist nicht biblizistisch und, wenn sie gut ist, auch nie traditionalistisch.“ Im Laufe der Jahrhunderte sei sich die katholische Kirche „nie zu schaden dafür gewesen, die Zeichen der Zeit zu erkennen und den eigenen Glauben weiterzuentwickeln. Und das soll jetzt nicht mehr möglich sein?“

Der Orientierungstext setze beim Zweiten Vatikanischen Konzil an. Die „Zeichen der Zeit“, die es zu erkennen gelte, seien das, was Papst Johannes XXIII. die „Fingerzeige Gottes“ in der Kultur der Gegenwart genannt habe, auch außerhalb der Kirche. Zuletzt habe Papst Franziskus vom „Spürsinn des Gottesvolkes“ gesprochen und damit darauf hingewiesen, dass der Glauben des Volkes eine wichtige Bezeugungsinstanz des Glaubens ist, auch für das Lehramt. Thomas Söding: „Der Synodale Weg in der Weltkirche, zu der als kleines Land auch Deutschland gehört, braucht einen echten Austausch. Er braucht faire Kritik und konstruktive Lösungen für die Umkehr und Erneuerung der Kirche, die überfällig ist.“

spe