Forscherin sieht Freude an trauriger Musik als “Paradoxon”

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Die Freude an trauriger Musik ist nach Worten der Musikwissenschaftlerin Melanie Wald-Fuhrmann “ein Paradoxon”.
Forscherin sieht Freude an trauriger Musik als "Paradoxon"

Symbolbild von Richard Mcall auf Pixabay

Die Freude an trauriger Musik ist nach Worten der Musikwissenschaftlerin Melanie Wald-Fuhrmann “ein Paradoxon”. Eine mögliche Erklärung nannte sie der Zeitschrift “Psychologe Heute” (März-Ausgabe): “Wenn ich ein Stück richtig toll finde, habe ich ein sehr positives Gefühl dabei. Wenn Traurigkeit schön ausgedrückt wird mit angenehmen Tönen oder auch mit anderen Formen der Kunst, dann empfinden wir eine ästhetische Lust und eine positive Emotion und mögen dieses eigentlich negative Gefühl der Traurigkeit.”

Umgekehrt könne auch eher fröhliche Musik jemanden traurig machen, wenn sie etwa mit einem schwierigen Lebensereignis verknüpft sei, erklärte die Expertin. Offenbar hätten die Menschen – zumindest in der westlichen Welt – gelernt, “Musik so zu hören, als sei sie Ausdruck eines anderen fühlenden Wesens, so dass wir mitfühlen.”

Dies funktioniere nur dann, wenn man mit der jeweiligen “Musiksprache” vertraut sei, fügte Wald-Fuhrmann hinzu. So hätten Untersuchungen zu nordindischer Raga-Musik gezeigt, dass viele Deutsche sie mit religiösen Gefühlen verbänden. “Die Beatles haben mit Ravi Shankar gespielt und in den 70ern fuhren viele in Ashrams. So hat sich offensichtlich das Klischee entwickelt, dass Musik aus Indien religiös aufgeladen sei.” Inderinnen und Inder hätten dieselbe Musik eher mit anderen Emotionen wie Liebe verbunden.

Sogenannte Schlüsselerlebnisse, die sich auf den Musikgeschmack auswirkten, könnten sich während des ganzen Lebens ereignen, sagte die Direktorin der Abteilung Musik am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik. “Wenn man offen an die Musik herangeht, sie häufiger hört und die anderen begeistert erklären, was daran so toll ist, kann der Funke tatsächlich überspringen.” Bei den meisten Menschen sei die musikalische Geschmacksbildung allerdings mit Anfang 20 abgeschlossen, “weil die Fragen nach der Identität und der damit verbundenen Musik erst mal geklärt sind”.

Solche Schlüsselerlebnisse seien häufig Live-Konzerte, so Wald-Fuhrmann: “Das ist einfach eine andere Atmosphäre und Akustik als zu Hause auf dem Sofa. Es scheint eine starke Verbindung zu geben zwischen der Schlüsselerlebnismusik und dem, was man als den ‘Kern seines Wesens’ versteht”.