Bistum Essen: Missbrauch-Studie soll auch Vertuschung aufdecken

Generalvikar Klaus Pfeffer (Foto: Achim Pohl | Bistum Essen)

Das Bistum Essen will in einer Studie zu sexuellem Missbrauch die Rolle von Personalverantwortlichen der Diözese klären. Die Untersuchung solle Fehler und Verhaltensmuster von Leitungspersonen aufdecken sowie Strukturen aufzeigen, die Missbrauch und Vertuschung begünstigten, sagte Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck am Freitag in Essen. Sollten Verantwortliche bewusst und vorsätzlich Taten verschleiert haben, würden ihre Namen genannt.

Das Bistum Essen hat das Münchner Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) mit der Studie beauftragt. Die Forscher, die sich bereits mit Missbrauch an der Odenwaldschule und dem Kloster Ettal beschäftigten, untersuchen in der Essener Diözese mögliche Fälle von der Gründung des Bistums 1958 bis heute.

Zugang zu allen Akten und Archiven

Generalvikar Klaus Pfeffer sicherte dem IPP Zugang zu allen Akten und Archiven zu. Die Untersuchung, die auf zwei Jahre angelegt ist, solle auch helfen, Missbrauch heute zu verhindern. „Wir haben die Hoffnung, dass wir durch diese Studie die ein oder andere Erkenntnis gewinnen können, die aber auch schmerzhaft werden kann“, sagte Pfeffer.

Studienleiterin Helga Bill erklärte, ihr Institut habe am Donnerstag mit der Aktenauswertung begonnen. Die Wissenschaftler riefen Betroffene von sexuellen Übergriffen durch Kleriker oder Mitarbeiter des Bistums auf, sich bei den Forschern zu melden. Interviews mit ihnen sollen in die Auswertung einfließen. Die Unabhängigkeit des Instituts sei eine Chance, dass sich Opfer meldeten, die bislang geschwiegen hätten, erklärte Bill. „Das Bistum hat keinerlei Weisungsbefugnis uns gegenüber“, betonte ihr Kollege Gerhard Hackenschmied.

85 Opfer von sexuellen Übergriffen

Die deutschen Bischöfe hatten im Herbst 2018 die sogenannte MHG-Studie zu sexuellem Missbrauch vorgestellt. In den kirchlichen Akten der Jahre 1946 bis 2014 fanden sich Hinweise auf bundesweit 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe. Das Bistum Essen kommt demnach auf 85 Opfer von sexuellen Übergriffen und 60 beschuldigte Kleriker seit seiner Gründung 1958.

Nach der MHG-Studie haben auch die Erzbistümer Köln und München sowie die Diözese Münster eigene externe Untersuchungen initiiert. Am Donnerstag werden die von Köln beauftragten Anwälte ihren Abschlussbericht vorlegen. Das Erzbistum kündigte an, dass auch Namen von Personalverantwortlichen genannt werden.

kna

Betroffene von sexuellem Missbrauch im Bistum Essen können sich per Mail an aufruf@ipp-muenchen.de bei den Forschern melden. Vom 10.03. bis 09.04. sind die Wissenschaftler außerdem dienstags von 15.00 bis 18.00 Uhr und donnerstags von 09.00 bis 12.00 Uhr unter (01 51) 45 72 98 12 für Betroffene zu erreichen

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