Suizidbeihilfe: Bischof Wilmer will differenzierten Diskurs

In der Debatte um die rechtliche Neuregelung der Suizidbeihilfe plädiert der katholische Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer für einen differenzierten Diskurs: „Ich glaube, dass es keine einfachen Lösungen gibt.“  
Hildesheim – In der Debatte um die rechtliche Neuregelung der Suizidbeihilfe plädiert der katholische Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer für einen differenzierten Diskurs. "Ich glaube, dass es keine einfachen Lösungen gibt", sagte er am Freitagabend auf einer Podiumsdiskussion der Bischöflichen Stiftung Gemeinsam für das Leben in Hildesheim. Er sei jedoch gegen Extreme. Es solle weder eine rigoristische Normativität geben noch solle jeder einfach tun können, was er wolle. Der Bischof erklärte, er würde einen Sterbewilligen begleiten, ihm aber nicht ein tödliches Medikament verabreichen. "Das kann ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren."

Bischof Heiner Wilmer (Foto: © Gemeinschaft der Herz-Jesu-Priester)

In der Debatte um die rechtliche Neuregelung der Suizidbeihilfe plädiert der katholische Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer für einen differenzierten Diskurs. „Ich glaube, dass es keine einfachen Lösungen gibt“, sagte er am Freitagabend auf einer Podiumsdiskussion der Bischöflichen Stiftung Gemeinsam für das Leben in Hildesheim. Er sei jedoch gegen Extreme. Es solle weder eine rigoristische Normativität geben noch solle jeder einfach tun können, was er wolle. Der Bischof erklärte, er würde einen Sterbewilligen begleiten, ihm aber nicht ein tödliches Medikament verabreichen. „Das kann ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.“

Der Rechtswissenschaftler Gunnar Duttge erklärte, das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidbeihilfe sei vielfach missverstanden worden. Das Gericht habe sich damit nicht auf die Seite der Sterbehilfebefürworter geschlagen, so der Experte für medizinisches Strafrecht. Vielmehr habe es eine Strafvorschrift für nicht verhältnismäßig erklärt. Damit sei der Auftrag verbunden, ein neues Gesetz zu schaffen und konkrete Regelungen für die Sterbehilfe aufzustellen. Der Moraltheologe Alexander Merkl sprach sich gegen das Angebot des assistierten Suizids in kirchlichen Einrichtungen aus. Eine solche Option erhöht nach Ansicht des Juniorprofessors der Universität Hildesheim den Rechtfertigungsdruck auf Alte und Schwerstkranke. Vielmehr müssten Menschen mit entsprechendem Wunsch Perspektiven aufgezeigt und Alternativen geboten werden. „Unser Ziel muss es sein, nicht den verzweifelten Menschen abzuschaffen, sondern die Verzweiflung abzuschaffen.“

Sterbewunsch häufig mit der Angst verknüpft

Ähnlich äußerte sich die Chefärztin für Geriatrie und Neurogeriatrie am Hildesheimer Sankt-Bernward-Krankenhaus, Martina Wetzel. Der Sterbewunsch sei häufig mit der Angst verknüpft, hilflos zu sein und nicht mehr weiter zu wissen. „Wenn wir Menschen diese Angst nehmen können, rückt der Sterbewunsch in den Hintergrund.“Hospiz-Leiter Kurt Bliefernicht zeigte sich skeptisch gegenüber der Suizidbeihilfe. Persönlich sei er nicht von dieser Idee überzeugt, sagte der Chef des Hannoveraner Hospiz Luise. Dennoch stehe er den Menschen bei, die einen solchen Wunsch hätten. „Wir dürfen sie nicht alleine lassen.“

Die Podiumsdiskussion trug den Titel „Mein Leben! Mein Tod? Uneingeschränktes Recht auf selbstbestimmtes Sterben?“ Im Mittelpunkt stand ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Februar vergangenen Jahres, in dem es das seit 2015 geltende Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung für nichtig erklärt hatte.

kna
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